Mit zahlreichen Abbildungen. Unser täglicher Umgang mit Medien ist durch eine bemerkenswerte Konjunktur des Taktilen geprägt. Überall und immerfort berühren wir Smartphones und Tablets, halten sie fest, schnallen sie an, tippen behutsam auf ihre Oberflächen und sind aufmerksam für ihre Vibrationen. Doch nicht nur wir sind es, die die Medien in zunehmendem Maße berühren. Im Gegenzug sind es auch die Medien, die uns abtasten : von Drucksensoren in Autositzen über Bewegungsmelder vor automatischen Türen bis hin zu Körperscannern und Fitnessarmbändern. Henning Schmidgen antwortet darauf, indem er ein exemplarisches 'Dazwischen' genauer betrachtet: Horn ist ein natürliches Material, aber auch ein künstliches Objekt. Es steht an der Grenze zwischen Innenwelt und Außenwelt, ist Zierde und Schmuck, Werkzeug und Panzer. Im Dialog mit Künstlern, Wissenschaftlern und Philosophen, die sich mit Posthörnern und Schalltrichtern, mit Hornhäuten, Gedächtniskegeln und Rhinozerossen beschäftigt haben, entwirft Henning Schmidgen ein Panorama unserer taktilen Kultur, in dem die Gegenseite der Medien klar zum Vorschein kommt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.04.2018
Katharina Rudolph geht ermüdet aus der Lektüre von Henning Schmidgens Buch hervor. Das liegt einerseits an den vielen Verweisen, andererseits an dem verwirrenden Leitmotiv des Horns, mit dem der Autor sein laut Rudolph als fiktive Ausstellung konzipiertes Buch durchzieht. Der angepeilte Brückenschlag zwischen Medientheorie und Medienkunst und die Beschäftigung mit Dalis Verständnis der Morphologie der Natur und ihrem Auftauchen in der Kunst oder auch mit Freuds Überlegungen zu einem gehörnten Moses geben der Rezensentin mehr als ein Rätsel auf. Verblüffendes erfährt sie dabei, fragt sich aber am Ende auch, wozu das alles gut sein soll.
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