Callum Cant, Mark Graham, James Muldoon

Feeding the Machine. Hinter den Kulissen der KI-Imperien

Künstliche Intelligenz
Cover: Feeding the Machine. Hinter den Kulissen der KI-Imperien
Harper Collins, Hamburg 2025
ISBN 9783365009642
Gebunden, 320 Seiten, 24,00 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Stephan Pauli. KI ist keine bunte Wolke, die frei durch den Äther schwebt. Wer nur staunt, wie schnell die Programme lernen, lässt sich täuschen: Denn die KI erschafft sich nicht selbst - ihre Entwicklung beruht zum großen Teil auf prekärer Arbeit. Es sind Menschen wie Anita in Uganda, die für einen Autokonzern in einem stundenlangen Klickreigen menschliche Anzeichen für Müdigkeit kennzeichnet, während ihr selbst jede Pause verwehrt bleibt. Wie Einar, der das infrastrukturelle Machtzentrum einer gigantischen Serverfarm wartet. Oder Alex, der am KI-gesteuerten Förderband eines britischen Amazon-Logistikzentrums Produkte sortiert - im Sekundentakt. Ihre Geschichten offenbaren die Ausbeutungsstrukturen, die bis tief in unseren Alltag reichen. Für ihr Buch analysieren die Forscher des Oxford Internet Institute die bitteren neuen Arbeitswelten hinter unserer beliebten Denkmaschine und beleuchten die kolonialen Machtdynamiken eines digitalen Ökosystems, das uns zunehmend entgleitet. Denn wo der Mensch einspringt, um der KI zu helfen, bleiben Menschenrechte oft auf der Strecke.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 28.06.2025

Rezensentin Katja Scherer empfiehlt das Buch von James Muldoon, Mark Graham und Callum Cant für einen besseren Einblick in das, was man mit ChatGPT tagtäglich benutzt: nämlich nicht eine frei im "Äther" schwebende Entität, bebildert oft mit Wolken oder leuchtenden Gehirnen, sondern etwas sehr real von Menschenhand Produziertes, wie die Autoren klarmachen: oft unter unwürdigen Bedingungen von Click-Workern in Kenia oder anderen Ländern, in die die Tech-Konzerne die Datenannotation und -fütterung oft auslagern, liest Scherer. Auch, dass Berufe wie das Übersetzen oder Illustrieren wenn nicht abgeschafft, so doch anfälliger für Ausnutzung durch die wenigen, mächtigen Akteure werden könnten, heben die Politikwissenschaftler und Internetgeografen hervor. Gekennzeichnet ist die Darstellung für die Kritikerin durch eine klare antikapitalistische Ausrichtung, die ihr manchmal zu schwarz-weiß gerät - dass es auch ein Engagement für eine "faire" KI gibt, wird weitgehend ausgeklammert -, aber das Aufzeigen globaler Missstände, die durch KI-Produktion ausgenutzt und verschlimmert werden, bleibt für sie hochgeschätztes Verdienst des Buchs.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 30.05.2025

Rezensentin Vera Linß erfährt in dem Buch der drei Oxford-Wissenschaftler James Muldoon, Mark Graham und Callum Cant Genaueres über die Produktionsbedingungen, denen Arbeiter im Bereich der KI unterliegen. Erschütternde Fakten und Interviews enthält der Band, der laut Linß u. a. verdeutlicht, wie hoch die Kosten für Mensch und Umwelt hinter KI tatsächlich sind. Das Unbehagen gegenüber der neuen Technik bekommt für Linß mit diesem Buch allerhand neue Facetten. Zugleich ist das Buch ein Aufruf gegen ungerechte Arbeitsbedingungen im Zusammenhang mit KI, erklärt sie.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.04.2025

Rezensent Günter Hack lässt sich gern von James Muldoon, Mark Graham und Callum Cant über die kolonialistischen Strukturen aufklären, die den KI-Boom am Laufen halten. Die drei Oxford-Wissenschaftler arbeiten im Rahmen des Fairwork Projects zu vernetzten Arbeitsprozessen und zeigen auf, wie KI auf der Ausbeutung menschlicher Arbeit fußt, das Buch ist das Ergebnis von fünfzehn Jahren Forschung, informiert der Kritiker. Er liest hier etwa von schlecht bezahlten Annotatoren in Kenia, Uganda oder Indien, die im Akkord Inhalte von Videos und Bildern beschreiben, um die Programme zu füttern. Sowohl ideologisch als auch geografisch ist hier der klassische Kolonialismus am Werk, meint der Rezensent. Wie die Autoren hier den Bezug zu Norbert Wiener, Erfinder des Begriffs "Kybernetik", herstellen, der bereits 1950 schrieb, dass die automatische Maschine das "exakt wirtschaftliche Äquivalent" zur Sklavenarbeit darstelle, leuchtet Hack ein. Ein überzeugendes Buch, das in nüchternem Tonfall über moralische Aspekte, wirtschaftliche Ungerechtigkeiten und die Zerstörung der "Wissensgesellschaft" aufklärt, schließt der Kritiker.

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