Hermann Joseph Hiery (Hg.)

Die deutsche Südsee 1884-1914

Ein Handbuch
Cover: Die deutsche Südsee 1884-1914
Ferdinand Schöningh Verlag, Paderborn 2001
ISBN 9783506739124
Gebunden, 930 Seiten, 101,24 EUR

Klappentext

Das deutsche Kolonialreich in der Südsee: Von 1884 bis 1914 (völkerrechtlich sogar bis 1919/21) hat es bestanden. Auf zahlreichen pazifischen Inseln war der deutsche Einfluss in Recht, Verwaltung, Handel und Mission entsprechend stark. Während die Aus- und Nachwirkungen der von den Deutschen geprägten Kulturkontakte vor Ort noch heute spürbar sind, ist die deutsche Vergangenheit jener Weltgegend in Deutschland selbst - von vereinzelten romantischen Südseereminiszenzen abgesehen - nahezu vergessen. Das Handbuch der "deutschen" Südsee bietet einen ausführlichen Überblick der Entwicklung zwischen 1884 und 1914/21 in Deutsch-Neuguinea (Kaiser-Wilhelmsland") einschließlich des Bismarckarchipels und der nördlichen Salomonen, auf den Marshall-Inseln, auf Nauru, auf den Marianen, Karolinen und Palauinseln und in Deutsch (West-)-Samoa.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 27.04.2001

Rolf-Bernhard Essig ist äußerst hingerissen von diesem Buch: Nicht nur, dass es an Studien zu diesem Thema bisher gefehlt habe - Essig lobt begeistert die Bandbreite der hier behandelten Themen (von Kannibalismus bis Fernmeldesystem) und betont, dass hier sehr deutlich werde, inwiefern sich die Kolonialisierung der Pazifik-Inseln von der afrikanischer Länder unterschieden hat. So habe man die deutsche Sprache erst spät gelehrt, weil man einer der dort gesprochenen 800 Sprachen den Vorrang geben wollte, referiert Essig. Auch habe man "tradierte Herrschaftsstrukturen vor Ort" gestützt und nicht nach Hautfarben unterschieden, weshalb das Verhältnis zwischen Bevölkerung und Kolonialmacht vergleichsweise gut gewesen sei. Doch trotz dieser Ausführungen ist dieses Buch, so Essig, von einer Apologie "weit entfernt" (Lediglich den Abschnitt über "Die Menschen der Südsee" findet er etwas überheblich). Insgesamt lässt der Band nach Essig jedoch keine Wünsche offen: Karten, Quellenangaben, Bilder, Statistiken, Sekundärliteratur - alles ist vorhanden, so Essig. Besonders der Fototeil hat es dem Rezensenten angetan, wo man unter anderem den Mageninhalt eines Krokodils bewundern kann, der einen menschlichen Fuß und einen Arm (teilweise verdaut) zeige. Eine "unerschöpfliche Schatzkammer", so lautet das Fazit Essigs, der vor Begeisterung die Neuguinea-Hymne anstimmt: "Welch ein Vergnügen, wenn die Winde / Wehen und das Segel fliegt / Und man ohne Sorg und Mühe / Rauchend auf dem Kanu liegt."

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 14.04.2001

Die längst überfällige Diskussion über das deutsche Kolonialreich in Afrika und der Südsee sieht Andreas Eckert mit diesem Band zwar nicht in Gang gebracht - die Studie stehe ganz in der gediegenen, empirisch ausgerichteten Tradition deutschsprachiger Kolonialgeschichtsschreibung, erklärt er-, "erhebliche Meriten" möchte er der Arbeit dennoch nicht vorenthalten: Das Buch sei systematisch aufgebaut, enthalte eine Fülle von teilweise unbekannten Fakten, Fotos und Karten und vermittle interessante Einblicke vornehmlich in die Sichtweisen und Lebenswelten der Kolonisierenden. Weniger verdienstvoll dagegen findet Eckert so deplatzierte Beiträge wie den über "die Tierwelt der ehemaligen deutschen Südsee" oder diejenigen über Passagierschiffverbindungen und Nachrichtenübermittlung - "extreme Beispiele für die im Handbuch dominante Faktenorientierung", die wenig Platz für originelle Fragestellungen und Analysen lasse.

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