Shashi Tharoor

Zeit der Finsternis

Das Britische Empire in Indien
Cover: Zeit der Finsternis
AB - Die Andere Bibliothek, Berlin 2024
ISBN 9783847704775
Gebunden, 480 Seiten, 48,00 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Cornelius Reiber. Mit einem Nachwort von Mithu Sanyal. Die unrühmliche Wahrheit über die britische Herrschaft in Indien. Das Britische Kolonialreich präsentierte sich nach außen hin als aufgeklärter Despotismus im Namen des Guten und zum Wohle der Beherrschten. Gestützt auf eine Fülle von Fakten demontiert Shashi Tharoor diese weitverbreitete Legende. Das Empire feuerte Kanonen gegen Aufständische ab, massakrierte unbewaffnete Demonstranten, schuf einen institutionalisierten Rassismus und ließ Millionen Menschen verhungern. Die Formen der Ausbeutung reichten von der Abschöpfung der inländischen Ressourcen über die Zerstörung der indischen Textilindustrie bis hin zur Vernichtung der heimischen Landwirtschaft. In seinem Essay enthüllt Tharoor die unrühmliche Wahrheit über die britische Herrschaft in Indien und deren bis heute nachwirkendes verheerendes Erbe.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.08.2024

Andreas Fahrmeir liest Shashi Tharoors Buch von 2017 in der leicht aktualisierten deutschen Fassung weiterhin mit Gewinn, auch wenn sich die Diskussion um Reparationszahlungen und die britische Kolonialherrschaft in Indien weiterbewegt hat, wie er feststellt. Was der Autor über die britische Zollpolitik, über Vermögenstransfers und den Rassismus der Eliten berichtet, ist für Fahrmeir zwar nicht neu, doch wie der Autor es fasst, elegant, empathisch und manchmal zornig, sagt dem Rezensenten zu. Neben den wenigen positiven Folgen der britischen Herrschaft in Indien fokussiert sich der Autor vor allem auf die negativen, erklärt Fahrmeir. Und hier wird der Text für ihn mitunter auf ärgerliche Weise ahistorisch, so wenn Tharoor ein allzu rosiges Bild Indiens vor der britischen Herrschaft zeichnet. Das kommt der religiös-nationalistischen Sicht der Ära Modi recht nah, bedauert er.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 10.08.2024

Dieses Buch könnte zum Klassiker avancieren, hofft Rezensentin Shirin Sojitrawalla. Shashi Tharoor setzt sich darin mit der britischen Kolonialherrschaft in Indien auseinander und zeichnet nach, wie im Zuge derselben ein einst wohlhabendes Land zugrunde gerichtet wurde. Tharoors durchaus wütendes Buch wendet sich gegen Historiker, die positive Effekte des britischen Kolonialismus behaupten, namentlich geht es gegen Niall Ferguson. Unter anderem argumentiert Tharoor laut Sojitrawalla, dass vermeintliche Errungenschaften wie Parlamentarismus und das Rechtssystem nicht an indische Verhältnisse angepasst wurden und deshalb oft weniger nutzten als schadeten. Nicht einverstanden ist Sojitrawalla mit der Verwendung des Begriffs "Kolonialholocaust", der ihrer Meinung nach vom wesentlichen ablenkt, nämlich vom Unheil des Kolonialismus. Manchmal argumentiert der Autor zu simpel, kritisiert die Rezensentin, etwa wenn er ein allzu rosiges Bild von vorkolonialen Indien zeichnet, aber insgesamt gelinge ihm eine eindringliche Beschreibung einer verheerenden Fremdherrschaft, deren Folgen bis heute spürbar sind.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 24.07.2024

Rezensentin Alexandra Wach erachtet Shashi Tharoors Buch als eine gut argumentierte und zurecht zornige Abrechnung mit dem britischen Kolonialismus in Indien. Der in London geborene Autor und Politiker schildert darin treffend, wie Wach resümiert, die verheerenden und noch heute virulenten Auswirkungen der Kolonialherrschaft: etwa die Zerstörung der indischen Wirtschaft durch Ausbeutung und Protektionismus, die Verfestigung des hinduistischen Kastensystems durch den britischen Rassismus und die Einführung von vermeintlich fortschrittlichen Gesetzen gegen Homosexualität und Volksverhetzung. Tharoor widerlegt damit, so die Rezensentin, den verbreiteten Mythos von der wohlmeinenden Kolonialmacht, die Indien den Weg zum modernen Industriestaat geebnet habe. Obgleich sein Buch Wach zufolge bisweilen etwas gestraffter argumentieren könnte, weiß sie es als folgerichtige Kritik und Aufruf zu postkolonialer Verantwortungsübernahme sehr zu schätzen.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 16.07.2024

Rezensent David Pfeiffer versteht Indien besser mit Shashi Tharoors Buch. Der Historiker bietet laut Pfeiffer ausnahmsweise mal den indischen Blick auf das britische Empire und ihre  "Heldentaten" auf dem Subkontinent. Welche Spuren die britische Kolonialherrschaft dort hinterlassen hat, erläutert der Autor auch und bringt Beispiel um Beispiel, dass es dem Rezensenten nur so graust. Die Menschenverachtung und Gier der Briten, ob bei der Zerstörung der indischen Textilproduktion oder bei der Kaperung indischer Kenntnisse in der Stahlherstellung - Tharoot bringt Licht ins Dunkel der Selbstwahrnehmung der Briten und des gesamten Westens. Ein wertvoller Beitrag zu aktuellen Kolonialismusdebatten, findet Pfeiffer.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 30.05.2024

Rezensentin Katharina Döbler ist beeindruckt von der Art, wie Shashi Tharoor in diesem Buch Apologeten des britischen Kolonialismus widerlegt. Geduldig räumt Tharoor laut Döbler mit Behauptungen auf, die besagen, Indien verdanke der Kolonialzeit Errungenschaften wie Demokratie und funktionierende Institutionen. Tatsächlich zerstörten die Briten nicht nur systematisch die indische Wirtschaft und waren für schwere Hungerkatastrophen verantwortlich, sondern prägten auch maßgeblich das heutige Kastensystem mit und schürten Feindschaften zwischen religiösen Gruppierungen, lernt die Kritikerin. Ein wichtiges Buch für Diskussionen über die Folgen des Kolonialismus, findet sie.

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