Die NATO und Russland befinden sich in einer Eskalationsspirale, die nicht selten an Sandkastenspiele trotziger Kinder erinnert: Truppen werden an die Grenze verlegt, die Militärs führen Manöver durch, die jeweils klar gegen den anderen gerichtet sind, es wird aufgerüstet, und von gegenseitigem Vertrauen ist nichts mehr zu spüren. Wie konnte es so weit kommen? Horst Teltschik erinnert daran, welche ungeahnten Chancen sich 1989/90 ergaben, eine dauerhafte Friedensordnung zu schaffen, und erklärt, warum nichts daraus wurde. Dabei zeigt sich, dass die NATO mehr Grund zur Selbstkritik hätte, und die russischen Handlungen nicht nur, aber auch Reaktionen auf das Verhalten des Westens sind. Man sollte Russlands Aggression der letzten Jahre weder gutheißen noch verteidigen, doch diegegenwärtige Konfrontationspolitik der NATO müsste dringend durch Kompromissbereitschaft und Verhandlungsangebote ergänzt werden, wenn wir nicht Gefahr laufen wollen, vom Kalten Frieden in einen heißen Konflikt zu schlittern.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 22.08.2019
Victor Mauer lobt das Engagement der Streitschrift des ehemaligen Kohl-Beraters und Ex-Vorsitzenden der Münchner Sicherheitskonferenz Horst Teltschik in Sachen Russland und der Westen. Dass die Mentalitäten auf beiden Seiten eine lange Halbwertszeit haben, lernt Mauer hier, ebenso wie er erkennt, wie wichtig es wäre, Brücken gen Osten zu bauen. Dass Teltschik, der einst die Ost-West-Politik aktiv mitgestalten konnte, wie Mauer erklärt, heute an eine Politik des Bohrens dicker Bretter erinnert und Sicherheit und Entspannung einfordert, um spätestens nach dem Ende der Ära-Putin auf eine friedliche Staaten- und Weltgemeinschaft Kurs zu nehmen, erscheint dem Rezensenten weise.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 15.04.2019
Renate Nimtz-Köster schätzt das Buch des früheren Kohl-Beraters Horst Teltschik für seine praktischen Lösungsvorschläge in der Konfrontation mit Russland (Stärke und Entgegenkommen!). Fesselnd findet sie, wie der Autor Ostpolitik aus eigener Erfahrung nachzeichnet, detailreich Reden Erfolge und Krisen wiedergibt. Kritisch sieht Nimtz-Köster das Lob, mit dem Teltschik die gegenwärtige Politik Russlands bedenkt und die Bringschuld des Westens anmahnt. Insgesamt aber eine lesenswerte Zeitreise, so die Rezensentin.
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