Als geistiger Vater der "offenen Gesellschaft" wurde Karl Popper zum Hofphilosophen der westlichen Demokratie. Seine Staatstheorie steht vor dem Hintergrund seiner bahnbrechenden Wissenschaftstheorie, da er von einer Einheit der Methode ausgeht. Allerdings hat Popper selbst auf eine zusammenhängende Darstellung seiner politischen Philosophie verzichtet. Jack Nasher gibt die Staatstheorie Poppers aus seinem gesamten Opus mosaikartig wieder. Poppers offene Gesellschaft ist gekennzeichnet von einer Politik der kleinen Schritte, die stets an ihrer Wirkung zur Verbesserung von Lebensumständen gemessen werden. Das Stammesleben ist aufgegeben, zugunsten eines freien Individuums - die immer wiederkehrende Stammessehnsucht dagegen ist brandgefährlich. Kern der Demokratie ist es, Herrscher ohne Blutvergießen loswerden zu können - mit "Volksherrschaft" hat sie hingegen wenig zu tun, was immer wieder zu unheilbringenden Enttäuschungen führt.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 21.11.2017
Rezensent Gustav Seibt ist dankbar für diese, wie er findet, "knappe" und präzise Übersicht von Karl Poppers Staatstheorie durch Jack Nasher. Der Kritiker liest hier in komprimierter Form noch einmal Poppers Idee der "offenen Gesellschaft" nach, die ihm gerade in Zeiten des Populismus aktuell erscheint: Dass ein offenes politisches System sich in Analogie zur Wissenschaft schrittweise immer wieder verbessern müsse, lernt Seibt hier ebenso, wie er erfährt, dass Poppers großen Wert auf eine Unterscheidung zwischen den Begriffen der "Volksherrschaft" und der "Demokratie" legte. Gegebenenfalls könne das Wahlvolk eine Regierung auch "unblutig entlassen", liest der Rezensent.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.09.2017
Jochen Zenthöfer empfiehlt Jack Nashers Buch als Geschenk für jedermann, vor allem aber für Studenten. Seiner Meinung nach gehört es schleunigst übersetzt ins Ungarische, Russische, Polnische und Amerikanische. Nashers Text über Popper nämlich wirkt wie eine Immunisiserung gegen den Totalitarismus auf Zenthöfer, eine leicht lesbare, witzige, Platon, Marx und Hegel abkürzende, meint er respektvoll. Wie der Autor Popper und den Marxismus erklärt, das passt laut Rezensent in eine Jackentasche und ist höchst interessant und im Wahljahr ebenso aktuell.
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