Aus dem philippinischen Englisch von Susanne Urban. Es ist die stille Jahreszeit, tiempo muerto: Die Ernte ist eingefahren, die Landarbeiter ziehen von den Zuckerrohrplantagen ab und alle warten, ob die neuen Pflanzungen von der Dürre verschont bleiben. Erzählt wird die Geschichte eines mysteriösen Verschwindens aus zwei völlig unterschiedlichen Frauenperspektiven: Zum einen der von Racel, einer Hausangestellten aus Singapur, die von der fiktiven Insel Banwa auf den Philippinen stammt. Ihre Mutter betreute dort das Herrenhaus der reichen und mächtigen Familie Agalon ebenfalls als Hausangestellte. Als Racel erfährt, dass ihre Mutter seit einem Taifun, der Banwa und die umliegenden Inseln verwüstet hat, verschwunden ist, erhält sie zwei Wochen Urlaub, um nach ihr zu suchen. Die andere Perspektive stammt von Lia, die zur selben Zeit von Singapur nach Manila und von dort weiter nach Banwa reist. Sie ist die Tochter der Agalons und wurde von ihrer Familie in die Provinz verbannt, bis die Gerüchte über ihre Scheidung vom Sohn einer chinesischen Oligarchenfamilie und ihre Affäre mit einem Fitnesstrainer in Manila verstummen. Beide Frauen waren sich in ihrer Kindheit sehr nahe, Racels Mutter war Lias Kindermädchen. Die Klassenunterschiede ließen sie jedoch getrennte Wege gehen. Vorsichtig nähern sie sich bei ihrem Aufeinandertreffen auf Banwa wieder an und suchen gemeinsam nach Racels verschwundener Mutter. Hierbei tauchen sie auf ihre je eigene Weise immer wieder in die brutale Geschichte der Familie Agalon ein, die seit mehr als 200 Jahren die Insel beherrscht.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 28.10.2025
Rezensentin Stephanie von Oppen schließt sich den Gestalten der philippinischen Mythologie, die durch das auf der fiktiven Insel Banwa gelegene Haus der reichen Agalons spuken, freudig an. Sie blickt mit ihnen auf die Kindheitsfreunde Racel und Lia, die sich aus unterschiedlichen Gründen - die Haushälterin Racel auf der Suche nach ihrer verschollenen Mutter, die reiche Lia auf der Suche nach Schutz vor der über ihren Ehe-Skandal berichtenden Presse - im Haus wieder begegnen. In zahlreichen Rückblenden arbeitet die in Kyoto als Literaturprofessorin tätige Autorin die vielschichtigen Klassenunterschiede, aber auch Gemeinsamkeiten zwischen den wieder zueinander findenden Freundinnen heraus, notiert die Kritikerin. Sprachlich falle das manchmal ungewollt umständlich aus und bleibe etwas konventionell, doch die gelungene Gesellschaftsanalyse der immer noch mit Folgen des Kolonialismus ringenden Philippinen überzeuge durchgehend.
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