Aus dem philippinischen Englisch von Jan Karsten. Das 20. Jahrhundert neigt sich dem Ende zu, und eine ganze Nation verfolgt gespannt das Amtsenthebungsverfahren gegen den Präsidenten des Landes. Unterdessen liegt Carlos Armando auf dem Sterbebett. Während seine Frau und Tochter selbst bei ihren Krankenhausbesuchen nicht aufhören können zu streiten, beginnt er sich zu erinnern - zunächst an seine Kindheit auf dem Land zur Zeit des Krieges, die Unabhängigkeit der Philippinen, an den Aufstieg von Marcos und die Militärdiktatur. Verrat und Anpassung, Auflehnung und Unterordnung bestimmen sein eigenes Leben wie auch das seines besten Freundes, der dafür einen hohen Preis bezahlt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 17.10.2025
Mit Katrin Tuveras "Die Kollaborateure" gewinnt Rezensentin Andrea Pollmeier einen ungewöhnlich tiefen Einblick in die politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen auf den Philippinen, vor allem in den 70er Jahren. Aus nüchterner Distanz und dennoch voller Anteilnahme für ihre Figuren, so Pollmeier, erzähle die Autorin hier von der Einsetzung des Kriegsrechts durch Ferdinand Marcos, von dessen Diktatur, der grassierenden Korruption im Hintergrund. Sie schildert die Motivationen, die "Innenwelt" von Mitläufern und Überzeugten genauso wie von Kritikerinnen aus den jüngeren Generationen, lesen wir. Im Zentrum ihrer Erzählung steht dabei die Familie Armando - Vater Carlos, sowie dessen Frau und Tochter, aus deren wechselnden Perspektiven wir die bewegte Geschichte des Landes in den Blick nehmen können. Diese klare Struktur gibt der Rezensentin den nötigen Halt in den wirren, detailreich und nicht linear erzählten Verhältnissen dieser bewegten Zeit.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 14.08.2025
Rezensentin Katharina Döbler freut sich, dass dank des Gastlandauftritts auf der Buchmesse zum ersten Mal ein Buch der philippinischen Autorin Katrina Tuvera auf Deutsch erscheint: Ihren Ausgang nimmt die Geschichte bei Carlos, der um die Jahrtausendwende ins Krankenhaus kommt. Die Philippinnen sind derweil von Protesten gegen den Autokraten Ferdinand Marcos geprägt. Für Carlos ist das Anlass, sich an seine Zeit als Parteigänger Marcos' zu erinnern, erfahren wir, Tuvera schildert aus verschiedenen Perspektiven, was Macht und ihre ungerechte Verteilung bedeuten und zeichnet so ein Bild von Korruption, Gewalt und mangelndem Gewissen. Ein bisschen Vorwissen zur Geschichte des Landes ist in jedem Falle hilfreich, so Döbler, aber die Muster, die die Autorin schildert, haben überzeitliche Gültigkeit, wie sie abschließend versichert.
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