Es ist eine alte romantische Vorstellung, dass das Unauffällige, Abseitige und Verachtete ein besonderes Geheimnis hat. Staub zum Beispiel. Im Kriminalroman schreiben sich ihm winzige Spuren ein, die Staubwolke, die das Nahen eines Reiters zeigt, ist ein halbvergessenes dramatisches Bild, Staub schwebt im Weltraum. Der Staub ist die Chiffre des Todes und der Vergänglichkeit, er bezeichnet das Schlachtfeld, wo die Helden "in den Staub gestreckt werden". Er kann für eine große, ungestörte Stille stehen, und am Ende für die hinfällige und kostbare Normalität unseres Alltagslebens. Joachim Kalka hatsich auf die Suche nach staubigen Spuren gemacht und ist in Texten, Filmen und Bildern fündig geworden.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 04.02.2020
Judith von Sternburg findet die Lektüre von Joachim Kalkas Langessay über den Staub lohnend. Vom Staubwedel bis zum Staub des 11. September buchstabiert der Autor laut Rezensentin anhand von literarischen und filmischen Beispielen die Ingredienzien des Gegenstands durch. Was Kalka bei Lichtenberg, Dickens oder den Peanuts über das Sein in pulverisierter Form entdeckt und wie er es verbindet, tollkühn assoziierend und große Bögen schlagend, scheint Sternburg alles andere als staubtrocken.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 26.11.2019
Höchst vergnügt und vergnüglich schreibt Jutta Person über dieses Buch. Ihr haben die Beispiele aus Geschichte, Literatur und Film außerordentlich gefallen. Dass man an das Thema Staub alles hängen kann, Normalität ebenso wie Männlichkeit, Chaos oder Teppichklopfen, breitet sie munter vor uns aus. Alles ist eine Leseaufforderung - zumal, wie sie schreibt, die Sammlung des "Universalgelehrten" nicht "feinschmeckerisch" sei. Ein bisschen verwunderlich immerhin, dass weder Autor noch Kritikerin kein einziges Mal verweisen auf den weiblichen Anteil am Thema Staub.
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