Goethe für Kinder? Kein Problem, wenn man für die Sprache des Dichters die richtigen Bilder findet. In seinen berühmten Gedichten "Meeres Stille" und "Glückliche Fahrt" erzählt Goethe von den beiden Gesichtern des Meeres. Manchmal ist das Wasserstill und glatt und bringt den Seemann zum Verzweifeln. Ein anderes Mal, wenn Wind aufkommt, trägt es ihn so weit er will. Peter Schössow hat Goethes Worte in Bilder übersetzt, die jedes Kind verstehen kann.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 26.05.2004
Kindgerecht aufbereitete Weltliteratur liegt im Trend, weiß Gerda Wurzenberger und fragt sich, wie man wohl Goethe-Gedichte illustrieren könnte. Zeichnet man den Worten eine Kulisse? Oder gestaltet man besser ein visuelles Gedicht? Peter Schössow habe sich für die erste Variante entschieden, ohne aber dabei konventionell vorzugehen, im Gegenteil: "Mit einer Reihe fast identischer, fast leerer Bilder schafft er den beiden Goethe-Gedichten mit ihrem schlichten Pathos den nötigen visuellen Resonanzraum." Die Rezensentin beschreibt sein Vorgehen als ein "fast filmisches Wechselspiel von Ruhe und Bewegung" und ist beeindruckt, wie es Schössow gelingt, "den Ernst der Goethe'schen Sätze zu brechen, ohne sich über sie lustig zu machen. Im Gegenteil. Jedes Wort ergibt nun mit einem Mal nicht nur Sinn, sondern macht richtig Spaß."
Dieses Bilderbuch, das dem derzeitigen Trend eines Literaturkanons für Kinder folgt, illustriert mit "leicht karikaturhaften Darstellungen" zwei Goethe-Gedichte, berichtet Jens Thiele. Die sich kaum verändernden Bilder zur poetischen Momentaufnahme "Meeres-Stille", die jeweils nur ein Boot mit einem Jungen, der übers Meer blickt, zeigen, haben es unserem Rezensenten dabei besonders angetan: Peter Schössow gelinge es, unsere "Erwartungen an Action und Spannung zu unterlaufen" und zum ruhigen Betrachten zu "verführen". Eine erfreuliche Abwechslung auf dem "lauten, erzählfreudigen Bilderbuchmarkt", freut sich Thiele.
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