Polnische und sowjetische Zwangsarbeiter rangierten auf der untersten Stufe der rassistischen nationalsozialistischen Hierarchie ausländischer Arbeitskräfte. Sie erfuhren die brutalsten Deportationspraktiken und die schlechtesten Lebens- und Arbeitsbedingungen. Bislang ist die Zwangsarbeit polnischer und sowjetischer Kinder im Deutschen Reich sowie in den von Deutschland besetzten Gebieten Osteuropas während des Zweiten Weltkriegs nicht aufgearbeitet worden, obwohl schätzungsweise 1 bis 1,5 Millionen Kinder aus Polen und der Sowjetunion zur Zwangsarbeit nach Deutschland verschleppt wurden. Sie bildeten das Rückgrat der deutschen Kriegswirtschaft und arbeiteten in allen Bereichen: In den Reparaturwerkstätten von Wehrmacht und SS, beim Bau und Ausbau von Infrastruktur, Kasernen, Flughäfen und Befestigungsanlagen, für die Organisation Todt und die Deutsche Ostbahn, für private und staatliche Arbeitgeber im Dienste der deutschen Besatzungsmacht, in Bergwerken, in der Industrie, im Handwerk sowie in der Land-, Forst- und Hauswirtschaft.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.07.2014
Pionierarbeit leistet der Autor laut Gabriele Clemens mit seiner Analyse des Schicksals polnischer und sowjetischer Kinder und Jugendlicher als Zwangsarbeiter des Deutschen Reichs. Johannes-Dieter Steinert eröffnet der Rezensentin damit den traurigen Blick auf die Verbrechen von Nazi-Organisationen und Wehrmacht, auf die Bedingungen von Zwangsarbeit und Germanisierungspläne. So bedeutsam und erschreckend der Einblick in die von Steinert genutzten Archive und Dokumente, insbesondre Briefe, Interviews und Zeugenaussagen, für die Rezensentin ist, so wenig gefällt ihr allerdings der methodisch unkritische Umgang damit. Dass etwa viele der von Steinert genutzten Aussagen im Zusammenhang mit Entschädigungszahlungen entstanden sind, hätte der Autor mit reflektieren müssen, meint Clemens.
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