Wer heute über eine größere Geschwindigkeit verfügt, besitzt einen politischen und finanziellen Vorteil. Als neues Qualitätsmerkmal ist Geschwindigkeit mehr als nur ein physikalischer Begriff. Sie bildet ein gesellschaftliches Verhältnis, das im ununterbrochenen Wettkampf um Höchstgeschwindigkeit eine neue kinetische Elite wie auch Ausgeschlossene hervorbringt.In der Dromokratie, der Herrschaft des Schnelleren, wird der Geschwindigkeitswettbewerb zum Taktgeber einer Gesellschaft, die niemals stillstehen darf. Der Drang nach Höchstgeschwindigkeit prägt das unternehmerische und persönliche Handeln, während der Staat zum Geschwindigkeitsmanager wird. Er sorgt sich um die Infrastruktur für das maximale Tempo des Waren- und Menschenverkehrs und er bestimmt, welcher Gruppe welche Geschwindigkeit zugesprochen wird.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 07.09.2020
Rezensentin Vera Linß lernt das Glück der Langsamkeit und die Tücken der Beschleunigung kennen mit Jonas Fricks Weckruf. Wie der Autor unsere Erwartungshaltung nach mehr Tempo hinterfragt und die "Geschwindigkeitseuphorie" als Machtmittel des Kapitals entlarvt, findet Linß aufschlussreich. Diskussionswürdig scheinen ihr die vom Autor mit einem historischen Rückblick zu Fordismus und Postfordismus aufgeworfenen Fragen, auch wenn Frick zwar Möglichkeiten zur Intervention beschreibt, aber keinen theoretischen Rahmen schafft. Dennoch lehrreich und debattentauglich, meint Linß.
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