Judith N. Shklar

Verpflichtung, Loyalität, Exil

Cover: Verpflichtung, Loyalität, Exil
Matthes und Seitz, Berlin 2019
ISBN 9783957575708
Kartoniert, 88 Seiten, 12,00 EUR

Klappentext

Herausgegeben von Hannes Bojahr. Während des Zweiten Weltkriegs war Judith Shklars Familie über Schweden und Japan nach Kanada geflohen. Später unterrichtete Shklar in Harvard bis zu ihrer Emeritierung politische Philosophie. In ihrem letzten Projekt kehrte sie zu ihrer Kindheitserfahrung zurück und untersuchte die Grundgegebenheiten des Exils und die Situation von Exilanten. Als wesentliches Unterscheidungsmerkmal aller Flüchtlinge, egal, ob Wirtschafts-, Kriegs- oder politische Flüchtlinge machte sie das Verhältnis von Loyalität und Verpflichtung aus: Ist "Loyalität" eine affektive Bindung an eine Gruppe, ein Land oder eine Idee, so ist "Verpflichtung" eher an die Logik von Regeln und Gesetzen gebunden. Will man über Flüchtlinge und ihre Situation sprechen, so muss man laut Shklar über das Problem der "geteilten Loyalität" nachdenken. Der Geflüchtete ist in beiden Welten nicht zu Hause: Behält er einerseits noch Loyalität zu seiner alten Heimat, so hat er das Gefühl der Verpflichtung dieser alten Heimat gegenüber verloren, reziprok gilt das für die neue Heimat. Das zwangsläufig in politische Probleme führende Dilemma lösen laut Shklar am ehesten rechtliche Verpflichtungen in der neuen Heimat.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 11.07.2019

Mehr Fragen als Antworten findet Rezensentin Rieke Trimcev in diesem Vortragstext der 1992 verstorbenen politischen Theoretikerin Judith Shklar. Die Typologie politisch bedeutsamer Bindungen und ihrer Konflikte im Exil, die die Autorin entwirft und illustriert, erläutert der Rezensentin etwa, wie die Verwechslung von Loyalität und Verpflichtung zu staatlicher Ungerechtigkeit führt. Zum Denken anregend scheinen Trimcev die Beispiele für die Spannung zwischen Loyalität und Verpflichtung aus Kanada und den USA, die die zuletzt in Harvard lehrende Autorin anbietet.

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