Der Begriff der demokratischen Freiheit meint nicht nur diejenige Freiheit, die sich in politischen Institutionen und Verfahren verwirklicht. Vielmehr kann demokratische Freiheit in einem politischen Sinn nur dann angemessen verstanden werden, wenn sie als Ausdruck einer Kultur der Freiheit begriffen wird, die die Lebensführung im ganzen betrifft. In einer systematisch angelegten Theoriegeschichte zeigt Juliane Rebentisch, daß sich für das Verständnis der demokratischen Freiheitskultur besonders viel von ihren philosophischen Kritikern lernen lässt. Von Platon bis Carl Schmitt artikuliert sich die Kritik an der demokratischen Kultur als eine Kritik an deren "Ästhetisierung".
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.06.2012
Nur Gutes verheißt die Kunst der Freiheit laut Josef Früchtl. Jedenfalls in Form dieser Studie von Juliane Rebentisch. Zum einen, weil Rebentisch keinen moralisierenden Ratgeber verfasst, sondern, so Früchtl, mit deutlichem Hang zu französischer Theorie, eine Art Apologie der Ästhetisierung gegen die Praktische Philosophie. Zum anderen, weil es der Autorin gelingt, sogar den etwas abgegriffenen Platon ins Boot zu holen, um mit ihm, dem Konzept von Ironie und romantischer Moderne (Hegel, Kierkegaard, Carl Schmitt) sowie der politischen Bühne (theatrale Demokratie, nennt es Früchtl) zu einer systematischen Abhandlung zu kommen. Die leicht poetische Emphase der Franzosen, freut sich Früchtl, neutralisiert die Autorin mit einem elegant unspektakulären, sachkundigen Ton.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 09.06.2012
Die Kritik der Ästhetisierung der Politik gehört zu den ältesten Topoi der abendländischen Geistesgeschichte, notiert Mario Schärli, der umso überraschter ist, dass die Philosophin Juliane Rebentisch nun zu deren gründlichen und "durch subtile Auslegungen glänzenden" Verteidigung anhebe. Die argumentativen Gedankengänge der Autorin, die ihre Apologie im Kern als Verteidigung der Freiheit und der demokratischen Kultur verstehe, in deren Anerkennung, mit sich selbst nie ganz identisch zu sein, die Diskrepanz zwischen Sein und Schein schon begründet sei, scheinen auf den Rezensenten großen Reiz auszuwirken, zumindest werden sie ausführlich, konsequent im Konjunktiv und mit zahlreichen Textbelegen zusammengefasst. Eine Wertung findet sich aber kaum, lediglich im allerletzten Satz ergeht an den Leser die lapidare Warnung, sich von diesem Buch keine "neuen Einsichten in den Freiheits- oder Demokratiebegriff" zu versprechen.
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