Ludwig Erhard ist im kollektiven Gedächtnis der Bundesrepublik in seiner Rolle als erster Bundeswirtschaftsminister fest verankert. Politikerinnen und Politiker fast aller Parteien berufen sich auch heute noch auf den beliebten, rundlichen Minister, dem die Bundesrepublik - so die nostalgische Erzählung - ihren wundersamen Aufstieg zu verdanken hat. Als Schöpfer des Wirtschaftswunders und als Vater der Sozialen Marktwirtschaft ist Ludwig Erhard ein Idol. Dass Erhard auch der zweite Kanzler der Bundesrepublik war, erinnern dagegen nur noch wenige, vielmehr gelten die drei Jahre Erhards im Kanzleramt als glanzlos und als eine eher unbedeutende Übergangsphase in der Geschichte der Bundesrepublik. Entscheidend für den Auf- und Abstiegs Erhards und die damit verbundene Mythisierung seines politischen Wirkens waren - anders als vielfach angenommen - nicht nur (wirtschafts-)politische Erfolge und Misserfolge, sondern vor allem auch symbolische Faktoren wie die öffentliche (Selbst-)Darstellung Erhards. Denn ohne Hausmacht in der eigenen Partei war Erhard im Besonderen von den Zustimmungswerten in der Bevölkerung abhängig und musste um Vertrauen für seine Politik und auch für seine Person werben. Unterstützt von seinen persönlichen Imagemachern und weiten Teilen der westdeutschen Medienlandschaft begann Erhard daher bereits sehr früh, an seiner eigenen Mythisierung zu arbeiten und den wirtschaftlichen Aufschwung untrennbar mit seiner Person zu verknüpfen - mit Erfolg. Gestützt auf politische Dokumente des Bundesarchivs, des Archivs der Ludwig-Erhard-Stiftung sowie auf Zeitzeugeninterviews zeichnet die Arbeit den politischen Werdegang Ludwig Erhards aus einem neuen Blickwinkel nach: Es wird herausgearbeitet, welche Bedeutung der öffentlichen (Selbst-)Darstellung Erhards im Hinblick auf den Vertrauenserwerb, -erhalt und -verlust in seine Person zukam.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 03.11.2025
In Katharina Schmidts Dissertation sieht Rezensent Nils Goldschmidt ein überzeugendes, ausgewogenes Porträt vom "Wirtschaftswunder"-Minister und späteren Kanzler Ludwig Erhard. Schmidt widmet sich mit großer Detailkenntnis der "Marke" Erhard, erfahren wir, sein Erfolg war auch guter PR-Strategie zu verdanken, sein Verhältnis zu den Medien war eng. Er hat sich ikonisch mal mit, mal ohne Zigarre porträtieren und diese Bilder in der Werbung einsetzen lassen, schildert Goldschmidt, war aber nicht nur Werbegesicht, sondern auch Charismatiker und kluger Stratege. Viele seiner Strategien, die Schmidt hier kenntnisreich zusammengetragen hat, erinnern ihn auch an die heutige Politik, wie er schließt.
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