Kathrin Aehnlich

Wie Frau Krause die DDR erfand

Roman
Cover: Wie Frau Krause die DDR erfand
Antje Kunstmann Verlag, München 2019
ISBN 9783956143168
Gebunden, 180 Seiten, 18,00 EUR

Klappentext

Für eine Fernsehserie "Wild Ost" gibt es ein klares Konzept, die Inhalte stehen fest, man braucht nur noch die Menschen, die authentisch erzählen, "wie es wirklich war". Sie zu finden ist Frau Krauses Auftrag. Was aber, wenn jene, die nicht dort gelebt haben, besser wissen, wie es "im Osten" war? Was wird dann erzählt? Zehn Ostdeutsche zu finden, die für eine Fernsehserie aus ihrem Leben erzählen, sollte für Isabella Krause einfach sein. Schließlich ist sie in der DDR aufgewachsen, auch wenn sie mehr Jahre im vereinten Deutschland verbracht hat als in der DDR. Sie kehrt also an die Orte ihrer Kindheit zurück und findet Menschen, die sie für DDR-repräsentativ hält: die Traktoristin, den Stahlwerker, die Köchin, den ehemaligen Staatsschauspieler. Doch der Filmautor kommt aus München und hat ein eigenes Bild von der DDR. Und das ist, dreißig Jahre nach dem Mauerfall, auf Diktatur, Mangelwirtschaft und Staatssicherheit geschrumpft. Doch was ist mit dem Leben der Anderen? Der ganz Anderen, die ihre Arbeit mochten, das Land tolerierten und am Wochenende "Ein Kessel Buntes" guckten? Und was unterschied das Familienleben Ost vom Familienleben West? Davon erzählt Kathrin Aehnlich, und zeigt, wie wichtig es ist, einander zuzuhören.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 16.01.2020

Die Idee ist gut, doch die Welt noch nicht bereit - oder eben die Autorin. Für ihre eigenen große Fragen und Gefühle, für starke Figuren und hiebfeste Kritik zum Beispiel. Ganz so scheint es zumindest Rezensent Ralph Gerstenberg beim Lesen von Kathrin Aehnlichs DDR-Satire. Der Zeitpunkt für einen Roman über schwelende Ost-West-Konflikte ist klug gewählt, findet Gerstenberg, und auch das Ausgangsszenario ist äußerst vielversprechend: Ein West-Sender will eine Doku-Reihe über das Leben in der DDR produzieren und engagiert die aus prekären Verhältnisse kommende "Frau Krause" um passende Darsteller zu finden. Sie scheitert jedoch an den Klischeevorstellungen der Produzenten. Allerdings lässt Aehnlich die interessanten Fragen wie zum Beispiel nach der Deutungshoheit über die DDR-Realität links liegen und widmet sich lieber ihren artigen Beschreibungen, bedauert der Gerstenberg. Damit bleibt ihre Kritik für ihn richtungs- und kraftlos.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 26.10.2019

Weil affektheischende westliche TV-Produzenten eine Serie über "den echten Osten" drehen wollen, der ihrer Meinung nach nur von Mangel und Unglück geprägt sein dürfte, engagiert eine Schauspielerin Menschen, die ihnen ihre Klischees vorspielen - eigentlich hätte der Roman eine richtig bissige Satire werden können, sinniert Rezensent Thomas Schaefer. Allerdings bleibt die Autorin ihrer Ursprungsidee viel zu treu, bedauert der Kritiker, denn ihre Figuren entwickeln sich ihm zufolge nie über das Stadium der West-Ost-Klischees hinaus. Außerdem fand Schaefer auch Aehnlichs Sprache sehr unambitioniert. Von der MDR-Redakteurin und Autorin zahlreicher Dokumentationen des DDR-Lebens hätte er mehr erwartet.
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