Aus dem Schwedischen von Helga M. Binder. In der Stille des Neujahrsmorgens sichtet Ulf, Jagdleiter in Hälsingland, einen Wolf. Stolz streift der Einzelgänger, der erst kürzlich eine Ricke gerissen hat, durch das verschneite Moor. Doch dem Jagenden droht selbst Gefahr: Zwei Wölfe dürfen in der Provinz geschossen werden, und so wahrt Ulf das Geheimnis ihrer Begegnung. Während seine Frau Inga den in Gedanken an das Tier verlorenen Mann liebevoll drängt, nochmals seine Jagdtagebücher durchzulesen, eskaliert Ulfs Konflikt mit den jüngeren Kameraden. Denn die sind nur auf Blut und Trophäen aus.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.08.2023
Rezensent Stephan Opitz ist begeistert von Kerstin Ekmans Erzählkunst, die er in ihrem jüngsten Roman, zu ihrem 90. Geburtstag auf Deutsch erscheinend, zu spüren bekommt. Es geht darin um einen alten Jäger in Schweden, dessen Leben mit dem eines Wolfes enggeführt wird, auf dessen Fährte er gestoßen war - allerdings völlig ohne raubtiervermenschlichende "Jagdromantik", stellt Opitz klar. Vielmehr gehe es auch um bürokratische Prozesse in der Jagdgenossenschaft (Ulf möchte wegen seiner Angina Pectoris den Vorsitz abgeben), sowie um die liebevolle Beziehung zu seiner Frau Inga und nicht zuletzt um Umwelt und Klima - wobei eine Lesart als Umweltroman aber zu kurz griffe, wie Opitz mit dem Verweis auf gewisse Plot Points verdeutlicht: So werde der Wolf schließlich doch erlegt, ein anderer Jäger von einem Bär übel zugerichtet. Neben der inhaltlichen Komplexität gewinnt das Buch seinen Reiz für den Kritiker aber vor allem durch die "konzise, fast lakonische" Sprache auf "höchstem intellektuellen Niveau", souverän übersetzt von Hedwig M. Binder, die auch Humor nicht missen lässt. Für Opitz ein "rares Meisterwerk".
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 26.08.2023
Zugleich "schlicht und vielschichtig" findet Rezensentin Sophie Wennerscheid Kerstin Ekmans neuesten Roman, der pünktlich zum 90. Geburtstag der schwedischen Erfolgsautorin auf Deutsch erscheint. Er erzählt vom in die Jahre gekommenen Förster Ulf, der ausgehend von einer fast "mythischen" Begegnung mit einem Wolf (auf Schwedisch "ulv", weiß Wennerscheid) viel über das Töten und das Verhältnis des Menschen zur Natur reflektiert. Wie Ekman dabei allmählich die Grenzen zwischen Ulf und ulv verschwimmen lässt, und wie überhaupt verschiedene Szenen und Stile "geschmeidig" ineinander übergehen, sorgt bei der Kritikerin für großes Lesevergnügen. Dass Ekman nebenher das romantisierte Bild der unberührten schwedischen Wälder berichtigt und von Industrieholz spricht, imponiert Wennerscheid zusätzlich. Einzig die zum Teil "archaisierende" deutsche Übersetzung trübt den Eindruck etwas - warum hier statt Ohren "Gehöre" und statt Augen "Seher" steht, erschließt sich ihr nicht. Nichtsdestotrotz ein "kunstvoll" komponierter Roman auf nur 200 Seiten, lobt sie.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 25.08.2023
Rezensent Aldo Keel liest Kerstin Ekmans Roman über einen am Lebensende Bilanz ziehenden schwedischen Jäger und die Rolle eines Wolfs dabei mit Spannung. Wie die Autorin die Bitterkeit des Rückblicks mit den gesellschaftlichen Emotionen angesichts des marodierenden Raubtiers und dem Werwolf-Motiv verschneidet und über Loyalität, Forstwirtschaft und das Unbewusste in uns nachdenkt, findet Keel lesenswert.
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