Die Vereinigung von Bundesrepublik und DDR erfolgte nicht auf Augenhöhe, sondern als Beitritt eines unterlegenen Systems zu einem wirtschaftlich und politisch erfolgreicheren. Sie war weder ein Anschluss oder eine Übernahme noch eine Einverleibung.Die Deutschen hatten 45 Jahre in unterschiedlichen, in den meisten Bereichen sogar gegensätzlichen Systemen gelebt. Bis zum heutigen Tag wirken die jeweiligen systembedingten Prägungen ebenso wie die Erfahrungen im Transformationsprozess bei vielen Menschen nach. Die beiden Deutschlands bildeten gleichsam die Speerspitze im jahrzehntelangen Kampf der Systeme, den die freiheitlichen Demokratien des Westens gegen die sozialistischen Diktaturen des Ostens gewannen. Je länger die Teilung zurückliegt, desto blasser wird jedoch die Erinnerung daran, warum das westliche Gesellschaftsmodell siegreich war. Ja, im wiedervereinigten Deutschland besteht heute sogar die Gefahr, dass die Erfolgsrezepte in Vergessenheit geraten.1989/90 war die DDR am Ende. Doch der Blick darauf wird immer unschärfer. Viele problematische Entwicklungen werden dem Wiedervereinigungsprozess und nicht der DDR-Schlussbilanz angelastet.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.02.2021
Rezensent Frank Pergande denkt sich die ein oder andere polemische Passage aus Klaus Schroeders Buch einfach weg. Übrig bleibt eine Geschichte der BRD, der DDR, der Wiedervereinigung und ihrer Folgen mit einem Packen Material, die Pergande zwar fast erschlägt, am Ende aber doch mit Erkenntnis beschenkt: Die Wiedervereinigung war und ist ein Erfolg, die DDR war ein kaputter Staat, der, hätte er weiter bestanden, heute noch viel kaputter wäre. Die Erklärung für all die Ostalgie, die der Autor liefert (subjektiv empfundene mangelnde Anerkennung Ostdeutscher), scheint Pergande auch einzuleuchten.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 24.08.2020
Stephan Hilsberg hat einiges auszusetzen an Klaus Schroeders Buch über DDR-Mythen und die Wahrheit dahinter. Gleichberechtigung, Einkommensgerechtigkeit, "Gebärstreik" - alles Märchen, weist Schroeder laut Hilsberg nach. Woher die Verklärung der DDR kommt, erklärt der Autor dann zwar ohne sozialpsychologische Theorie und Spekulation, so Hilsberg, aber leider auch eher oberflächlich. Dass Schroeder durch "platte Urteile" selbst Gründe für die Ostalgie liefert, hält Hilsberg für den blinden Fleck des Buches. Schroeders Kohl-Verehrung scheint zudem einen allzu einseitigen Blick auf die Wiedervereinigung zu befördern, kritisiert der Rezensent.
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