Kurt Biedenkopfs Tagebücher der Jahre nach der Wende. Ein bedeutendes Zeitdokument. Kurt Biedenkopf, der 1990 zum Ministerpräsidenten des Freistaats Sachsen gewählt wurde, führte in den neunziger Jahren ein Tagebuch: Die Aufzeichnungen aus den Jahren 1990 bis 1994 beschreiben die Zeit nach der Wende und das schwierige Ringen um die innere Einheit. Schonungslos offen reflektiert Biedenkopf die politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen im wiedervereinten Deutschland.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.10.2015
Rezensent Georg Paul Hefty staunt höchstens über die Hartnäckigkeit, mit der Kurt Biedenkopf seine Tagebucheinträge ableistet. Die nun vorliegenden Einträge der Jahre 1990-1992 bieten dem durchaus neugierigen Rezensenten leider keine größeren Einsichten, weder in die geistige Größe Kurt Biedenkopfs noch in die Umbruchsituation jener Tage. Allzu unsystematisch, meint Hefty, geht der Schreiber bei seinen Aufzeichnungen vor, stellt Bemerkungen zur eigenen Gewissenhaftigkeit neben kaum je vertiefte Notate über Agendas, Gespräche und Eindrücke. Schier zur Verzweiflung bringen den Rezensenten Biedenkopfs Sprunghaftigkeit, das Fehlen von Fußnoten und ein undurchsichtiges Register. Am aufschlussreichtsten erscheinen ihm noch Biedenkopfs Eintragungen zu Präsidiumsdiskussionen und den Sitzungen des Bundesvorstands der CDU, weil der Autor hier nahezu ganz von sich absieht und die Aussagen der Kollegen protokolliert. Das scheint Hefty zumindest unterhaltsam.
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