Ein Akteur der deutschen Einheit erinnert sich: Der Name des SPD-Bundestagsabgeordneten Markus Meckel ist auch verbunden mit der Oppositionsbewegung in der DDR, mit der Friedlichen Revolution von 1989 und dem Prozess der Deutschen Einheit. Mit Martin Gutzeit initiierte er die Gründung der Sozialdemokratischen Partei in der DDR und saß als ihr Vertreter am Runden Tisch. Nach der freien Wahl in der DDR führte er zeitweise die Ost-SPD und verhandelte als Außenminister die deutsche Einheit. In seinen Erinnerungen beschreibt er seinen besonderen Weg in der DDR, der ihn, den Pfarrerssohn, zum Politiker werden ließ.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.06.2020
Hermann Wentker liest die Erinnerungen des SPD-Politikers und ersten freien Außenminister der DDR Markus Meckel mit Interesse. Meckels Lebensweg vom Pfarrerssohn zum Friedensaktivisten und Oppositionellen und weiter bis SPD-Parteivorsitzenden und Außenminister zeichnet der Band laut Wentker mit Blick für verpasste Chancen, aber ohne Larmoyanz nach. Dass der Autor im Hinblick auf eigene "handwerkliche Fehler" und blinde Flecken selbstkritisch bleibt und die Wiedervereinigung letztlich als Glücksfall betrachtet, scheint Wentker zu freuen.
Als "politische Autobiografie" bezeichnet Rezensent Christoph Dieckmann dieses Buch seines ehemaligen Kommilitonen Markus Meckel. Er erzählt die politische Lebensgeschichte Meckels nach, die schon mit dessen Vater beginnt, einem nach sowjetischer Kriegsgefangenschaft pazifistisch gewordenem Pfarrer. Das Aufwachsen in solcher Umgebung, Studium der Theologie, Nähe zur Friedens- und Umweltbewegung, schließlich 1989 die Wende - das alles ist die Grundlage. Pfarramt, Frau und drei Kinder, das hat offenbar nur so nebenbei stattgefunden, was Meckel wirklich antrieb, war die Politik. Und da fördert er, so Dieckmann, am eigenen Beispiel eine höchst engagierte, dennoch aber wenig erfolgreiche Geschichte zu Tage. Das westliche CDU-"Nilpferd" Helmut Kohl im Verbund mit dem irrlichternden DDR-SPDler Ibrahim Böhme verdrängten damals die eigentlichen Aktivisten von Widerstand und Umwälzung der DDR. Neben den kurzen, glanzvollen Monaten als Außenminister ist viel "Bitteres" zu verzeichnen - etwa wie der Mitgründer der Ost-SPD von seiner Partei an den Rand gedrängt wurde, wie sich in den Stasi-Akten der eigene Vater als Informant fand. Der Rezensent ist dankbar für eine "ungeschönte Bilanz".
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