Aus dem Ungarischen von Akos Doma. Vom Kino in der Spätromantik - der Großmeister der Essayistik über das, was Caspar David Friedrichs Wanderer im Nebelmeer erblickt. In seinem neuem Buch stellt László F. Földényi, ausgehend von einer Analyse des Gemäldes Der Wanderer über dem Nebelmeer von Caspar David Friedrich, die Frage, was die Figur auf dem Bild wohl eigentlich sieht. Friedrich versuchte, das zu malen, was man mit dem "natürlichen" Sehen nicht wahrnehmen kann. Die Erforschung des Unsichtbaren hat innerhalb der Malerei das Vertrauen in die Gewissheit des natürlichen Sehens erschüttert. Friedrichs Gemälde ist für Földényi das Beispiel einer Kritik des Sehens an sich, andererseits erkennt er darin eine Vorwegnahme all jener technischen Innovationen, die den Wirkungskreis des Sehens radikal erweitert haben. Es steht programmatisch für die Zeitenwende, in der gerade die Sehnsucht nach Natur das dezidiert moderne Topos des Unbewussten zur Sprache bringt.Auf dem Felsen stehend erblickt der Wanderer nicht nur Wolken, Nebel und Dunst, sondern Bilder, die die verborgenen Schichten des Bewusstseins in ständige Bewegung bringen: So schaut er ins Nebelmeer und träumt dabei schon vom Kino.
Rezensent Jan Drees folgt Laszlo F. Földenyi durch die Geistesgeschichte, um die Entwicklung der Weltbetrachtung besser zu begreifen. Der Essay besticht für Drees weniger durch qualitativ hochwertige Abbildungen als durch den Nachvollzug der multiperspektivischen Neuorientierung seit Caspar David Friedrich anhand der Gedanken von Malern, Schriftstellern und Denkern wie Schopenhauer und Baudrillard. Dass die Lektüre Drees auf geistreiche Weise verdeutlicht, dass die göttliche Perspektive auf einer Illusion beruht, macht den Rezensenten demütig.
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