Autorität wird beargwöhnt, sie wird zurückgewiesen und bekämpft, ebenso heftig wird sie gesucht und erkämpft. Seit zweihundertfünfzig Jahren gilt sie der Aufklärung als Zumutung und der Romantik, der politischen Romantik, als hehres Prinzip. Autorität gilt als Faktum der Kultur und ist gerade in westlichen Gesellschaften nicht, wie man annehmen könnte, verschwunden, sondern diffus geworden. Sebastian Kleinschmidt verteidigt in seinem streitbaren Essay das Prinzip der Autorität gegen den verführerischen Zauber ihrer Gegenbegriffe wie Antiautorität, Emanzipation und Mündigkeit. Er zeigt das Potenzial der Autorität, die Max Horkheimer als "bejahte Abhängigkeit" beschrieb, als Voraussetzung für Gerechtigkeit und friedliches Zusammenleben.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 29.08.2023
Schon den ersten Satz der Lobrede Sebastian Kleinschmidts auf die Autorität zerpflückt Rezensent Malte Osterloh gnadenlos. Weder den zu erretteten Begriff selbst noch den davon abzugrenzenden der Macht bekomme der Autor laut Osterloh zu fassen. Lediglich Kleinschmidts Hinweis, dass Autorität auf der Zustimmung derer, die sich ihr unterwerfen, basiert, findet das Wohlwollen des Rezensenten. Ansonsten kann er weder mit Kleinschmidts Versuchen, neben der Autorität auch noch die Tradition zu verteidigen, noch mit seinen Anleihen bei unter anderem Richard Heinze und Hannah Arendt etwas anfangen. Ziemlich hilflos findet Osterloh das alles insgesamt.
Julian Barnes: Abschied(e) Aus dem Englischen von Gertraude Krueger. Julian Barnes wird im Januar 2026 achtzig Jahre alt. Er weiß, dass die längste Zeit seines Lebens hinter ihm liegt, und er möchte… Elias Hirschl: Schleifen Franziska Denk wächst im Umfeld des Wiener Kreises auf und leidet als Kind an einer seltsamen Krankheit: Jedes Symptom, von dem sie hört oder liest, bekommt sie sofort. In… Dorothee Elmiger: Die Holländerinnen Mit blinkenden Warnlichtern fährt die Erzählerin, eine namenlose Schriftstellerin, an den Straßenrand, als ein unerwarteter Anruf sie erreicht. Am Apparat ist ein gefeierter… Leila Slimani: Trag das Feuer weiter Aus dem Französischen von Amelie Thoma. Mia, erfolgreiche Schriftstellerin in Paris, kämpft mit "brain fog", einem Gehirnnebel, der ihre Erinnerungen und ihre Arbeit beeinträchtigt.…