Louis-Ferdinand Celine

Tod auf Raten

Roman
Cover: Tod auf Raten
Rowohlt Verlag, Hamburg 2021
ISBN 9783498009472
Gebunden, 816 Seiten, 38,00 EUR

Klappentext

Aus dem Französischen von Hinrich Schmidt-Henkel. Paris um 1900. Der junge Ferdinand wächst in einer engen Pariser Passage heran, in der die Mutter ein kleines Modegeschäft führt. Der Vater ist ein cholerischer Versicherungsangestellter, seinen Sohn hält er für einen Versager. Céline porträtiert Ferdinands Eltern und die anderen Händler als die typischen, stets zu kurz gekommenen Kleinbürger mit ihrem verbissenen Groll auf alle anderen, die da oben wie die da unten. Ferdinand bricht verschiedene Lehren ab, geht nach England, kann sich auch dort keine Existenz aufbauen. Er kehrt nach Frankreich zurück und wird schließlich Arzt in einem Pariser Armenviertel. Céline denunziert die Niedrigkeit, mit der alle, die doch selber um ihre Existenz ringen, sich gegenseitig verfolgen. Wie schon mit "Reise ans Ende der Nacht" erweitert er mit "Tod auf Raten" die französische Literatursprache um sämtliche Schattierungen von Mündlichkeit, er zieht alle Register, vom Poetischen bis zum Unflat - seinerzeit ein Schock.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 28.06.2021

Rezensent Dirk Fuhrig lässt Zweifel über den politischen Leumund von Louis-Ferdinand Céline mal beiseite und horcht auf die rohe Kraft der Sprache in diesem zweiten Roman des Autors von 1936. In Hinrich Schmidt-Henkels "herausragender" Übersetzung vermittelt sie Fuhrig das Maul des Volkes, die Abgründe der Pariser Klassengesellschaft, mannigfache Ausdrücke für Geschlechtsteile und -praktiken. Die autobiografische Geschichte eines jungen Herumtreibers, voller Gewalt und Derbheit, fesselt Fuhrig mit Tempo und Radikalität.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 24.06.2021

Louis-Ferdinand Céline war ein Antisemit, ein Rassist, ganz generell ein Kotzbrocken erster Güte. Aber was für ein Schriftsteller! Doch, das geht zusammen, versichert Rezensentin Juliane Liebert. Die Geschichte dreht sich um den selbst aus kleinen Verhältnissen stammende Armenarzt Ferdinand, seine Kindheit in Paris zu Beginn des 20. Jahrhunderts und die Abstiegsangst, die seine Eltern prägte. Célines Wut und Hass auf diese Gesellschaft ist durch nichts zu besänftigen, sein Sozialrealismus geradezu "orgiastisch", Erlösung gibt's beim ihm nicht, erklärt die Kritikerin. Aber eins sind seine Romane nie: politische Botschaften. Celines Freiheitwille steht dem entgegen und seine sprachliche Brillanz - eine "radikale Literatur", die Hinrich Schmidt-Henckel laut Liebert hervorragend ins Deutsche übersetzt hat.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 14.06.2021

Rezensent Christoph Vormweg macht aus seinem Unwillen gegen Louis-Ferdinand Celines Rassismus keinen Hehl, aber auch aus seiner Bewunderung für die literarische Brillanz des Autors. Celines zweiter Roman von 1936, eine Art autobiografischer auf links gedrehter Bildungsroman, bietet laut Vormweg beides: den wütenden Hass des Autors wie eine hoch dynamische, hoch emotionale Prosa mit psychologisch komplexer Figurenzeichnung. Ein bissiger Abgesang auf die Belle Epoque, der in der Neuübersetzung von Hinrich Schmidt-Henkel noch mal so schön ist, findet Vormweg.

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