Ludovic Roubaudi

Der Hund von Balard

Roman
Cover: Der Hund von Balard
SchirmerGraf Verlag, München 2004
ISBN 9783865550033
Gebunden, 272 Seiten, 19,80 EUR

Klappentext

Aus dem Französischen von Gaby Wurster. Der poetisch-rauhe Zirkusroman aus der Pariser Vorstadt, in dessen Mittelpunkt ein begabter Hund steht - und der Traum einer Handvoll Zeltarbeiter, einen eigenen Zirkus zu gründen.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 20.10.2004

Völlig hingerissen ist Milo Rau von Ludovic Roubaudis Zirkusroman "Der Hund von Balard", den er am ehesten der dokumentarischen Literatur zurechnen würde; ins Genre "gehobene Literatur" gehöre "Der Hund von Balard" auf keinen Fall, versichert der Rezensent vergnügt. Roubaudi soll selbst beim Zirkus gearbeitet haben, und von einem Haufen verlumpter, versoffener, rauer Gesellen erzählt auch sein Buch, das Rau als hinreißend "von der Hand in den Mund" geschrieben empfindet. Man habe Roubaudis Buch mit den sozialkritischen Romanen John Steinbecks verglichen, berichtet Milo Rau irritiert, ein Vergleich, der etwa so schief ausfalle, als wenn man ein Stück Zeltplane mit einer Häkelarbeit vergleichen würde, amüsiert sich Rau. Steinbecks Figuren sei immer das Rollenmodell anzumerken gewesen, verkleidete Ansichten des Autors, davon könnte bei Roubaudi überhaupt nicht die Rede sein., Seine Zeltbauer kümmerten sich keinen Moment um das literarische Ganze, um die Aussage, ihnen käme es aufs Erzählen und auf die Wirklichkeit an. Die Wirklichkeit aber, räumt Rau ein, hat mit der üblichen Zirkusromantik nichts gemein. Trotzdem käme in Gestalt eines Straßenköters etwas Phantastisches und Hoffnung in das Leben der Zirkussklaven.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.05.2004

Zuerst könnte man meinen, Klaus Ungerer hat was gegen Arbeiter, doch die Verachtung gilt dann doch eher dem Buch und seinem Autor. Jedenfalls schimpft und spottet er, was das Zeug hält: über die verlogene, hart-aber- herzliche Romanwelt raubeiniger Zirkusarbeiter, die einen kleinen Hund bei sich aufnehmen, über die bittersüße Erzählhaltung der Rückblende, über die dümmliche Sentimentalität der Geschichte eines großen Traumes, der dank des kleinen Streuners doch noch wahr wird ... doch halt: Geschichte? Eigentlich hat der Rezensent gar keine Geschichte gefunden, nur hündische Treue und stumpfsinnige Idylle: "Idyllisch ist das gesamte Geschehen, das zwar keine Rauferei, aber doch jeden Konflikt in der Handlung scheut: Die spürbare Grunddämlichkeit der Zeltarbeiter ersetzt die Leerstellen fehlender Intrigen." Zwischendrin: "wohlfeile Kapitalismuskritik", aber bloß nicht zu viel. Na ja, und der Hund Weißnix. Der hat nämlich eine "sensationelle Dressurnummer" zu bieten, an der alles hängt, die Arbeiter, der große Traum - "kurz gesagt also das gesamte Buch, das uns als traurig verkauft worden ist, obwohl es doch bis Seite 265 von 268 als locker- unterhaltsames Stück windschiefer Proletarierromantik erscheinen will". Aber wenn's denn jemand lesen will, schließlich hat es ja allerlei Preise gewonnen, bitte sehr: "Es lässt sich, auf Wiesen liegend, nett weglesen, und manchmal hat man ja gerade nichts Besseres vor."
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