Reise nach Unterkralowitz beschreibt ein Familienpanorama über vier Generationen hinweg. Warum der Großvater überhaupt für den Kaiser Franz Joseph in den Krieg gezogen ist; warum der Vater unter den Nazis plötzlich unabkömmlich war und sich dennoch nie bei der NSDAP eingeschrieben hat; wie der Sohn sich auf die Suche nach seiner eigenen Vergangenheit im Osten macht und mit seinem kleinen Kind nach Unterkralowitz aufbricht, um etwas zu finden, das er in seiner anderen Heimat Wien nicht finden kann. Begleitet werden die beiden von Erinnerungen an die Schatten ihrer Vorväter und von anderen skurillen Verwicklungen einer ganz normal verrückten Familie.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 01.07.2010
Ins böhmische Unterkralowitz reist der Erzähler von Manfred Chobots Roman, der darin seiner Familiengeschichte nachspürt, nicht, denn dieser Ort existiert längst nicht mehr, erklärt Rezensent Peter Demetz. Dennoch bildet der Ort die "symbolische Ursprungsheimat", in deren Richtung sich der alleinerziehende Held eines unaufhörlich schreienden Kindes von Wien aus bewegt, um die Geschichte seiner Eltern und vor allem seiner Großeltern zu rekonstruieren. Sprachlich ambitioniert ist der Roman nicht unbedingt, meint Demetz, Originalität erreiche er aber durch die überraschende Zusammenstellung der Motive und eine assoziative, der Chronologie nicht folgenden Erzählweise. Nicht recht überzeugt aber ist Demetz, wenn Chobot seine Familiengeschichte am Ende vom Persönlichen ins Historische kippen lässt, indem er Briefe aus der Kriegsgefangenschaft dem Bericht über die "Demonstration der Künstler und Friedensfreunde Österreichs" von 1974 und schließlich dem medizinisch expliziten Geburtsbericht seines Sohnes gegenüberstellt. Was will uns der Autor damit sagen?, fragt sich der Rezensent.
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