Die große Verwandlerin in Manon Hopfs Gedichten ist die Sprache selbst: dass nichts mehr aufeinander und beisammen bleibt; dass alles im Fluss und im Werden ist - und dass die Sprache aus Klang heraus Körper, Tiere und Beziehungen formt, bewegt, gar neu erschafft. Hier, in diesen Gedichten, findet sich alles in Bewegung: die Wasser von der Quelle durch den Fluss bis zum Meer, wo die Sirenen von all dem singen, 'was man nicht hören will'; die Abgründe und Nachtgesänge. Auch das Sterben ist hier nur ein sich Verwandeln: 'schon bist du asche' - und das Verschwinden auch und sicherlich auch der Schlaf innerhalb der 'mondsucht' als 'eine frage / des abnehmenden / lichts'.Wir hören von den ziehenden Vögeln im Flug, von ihrer Freiheit und Entgrenztheit und möchten gleichzeitig 'grenzen stören gehen'. Denn was begrenzt uns immerzu und wo verwandeln wir uns, indem wir uns entgrenzen? Das ist eine der großen Fragen, die sich Manon Hopf stellt. Und wenn Manon Hopf die Trennungslinien zwischen Mensch und Tier fallen lässt, zwischen Körpern und Wassern und Vögeln, dann entsteht eine Poesie, die sich ihrer Bewegungen, Erforschungen 'tiefer als sonst' bewusst ist; die ihre Dringlichkeit und 'das heimliche Wort in den Schenkel nähen'. Es sind anschwellende Gesänge, schillernde Kleinstformen, die sich auswachsen. Diese Gedichte schauen uns hinterher, wenn wir verwandelt aus ihnen heraustreten: 'die sprache hinter mich werfen und hoffen / dass aus ihr keine schatten wachsen'.
Ein paar Einwände hat Rezensent Jan Drees, aber insgesamt fühlt er sich wohl in Manon Hopfs Lyrik. Die strebt zum Tierischen hin, und zwar, beschreibt Drees, um Grenzen zu überschreiten, um in der Sprache zum Tier zu werden, was mal an Yoga und mal an Gilles Deleuze erinnert. Ein bisschen esoterisch liest sich das hier und da, konzediert Drees, der letztlich jedoch auch das Undeutliche an den Versen als Ausdruck eines Zeitgeists liest, der auf transhumanistischen und genderfluiden Pfaden wandelt. Von arg abrupten Gedankensprüngen lässt der Rezensent sich nicht aus dem Konzept bringen und gibt sich lieber dem rührenden Flow des lyrischen Suchens und Stocherns hin. Hopfs Gedichte schließen, heißt es am Schluss, an sehr zeitgenössische Gedanken etwa der Gender Studies an und halten gleichzeitig Kontakt mit der uralten Sehnsucht, das eigene Ich zu einem Anderen zu machen.
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