Deutschland sieht sich gern als Hort der Stabilität in einem unsicheren Europa. Es ist stolz auf seine wirtschaftliche Leistungsfähigkeit und darauf, dass es ziemlich ungeschoren durch die Krise gekommen ist. Doch das schöne Bild trügt. Deutschland hat seit dem Jahr 2000 deutlich weniger Wachstum zu verzeichnen als andere europäische Staaten. Zwei von drei Arbeitern sind heute schlechter gestellt als vor 15 Jahren. Die deutsche Wirtschaft und der Staat leben von ihrer Substanz. Marcel Fratzscher legt den Finger in die Wunde und benennt die Herausforderungen, denen sich Politik und Gesellschaft stellen müssen. Und er räumt auf mit dem Irrglauben, wir kämen ohne Europa besser zurecht.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.10.2014
Gleich zwei neue Bücher widmen sich der entgegen aller Annahmen nur wenig wachsenden deutschen Wirtschaft, berichtet Rezensent Leander Steinkopf und knöpft sich zunächst Marcel Fratzschers Werk "Die Deutschland-Illusion" vor. Der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung in Berlin sieht die Gründe für die Fehleinschätzung im Vergleich mit den schwachen Euro-Krisenländern und dem Ignorieren der eigentlichen Wettbewerber am globalisierten Markt, informiert der Kritiker. Dennoch mache Fratzschers Buch Mut, so Steinkopf, denn der Autor habe im Wesentlichen nur wenig an der Brüsseler Krisenpolitik auszusetzen. Mit etwas Pragmatik, mehr Konzentration auf Europa und steigenden Investitionen werde das Wachstum aber schon angekurbelt, lernt der Rezensent, der nach der Lektüre aber nicht ganz überzeugt scheint.
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