Marcel Henaff

Der Preis der Wahrheit

Gabe, Geld und Philosophie
Cover: Der Preis der Wahrheit
Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2009
ISBN 9783518585184
Gebunden, 635 Seiten, 39,80 EUR

Klappentext

Aus dem Französischen von Eva Moldenhauer. Besteht eine Beziehung zwischen Wahrheit und Geld? Kann man von einem Preis der Wahrheit sprechen? Anders als die Sophisten, die einen Preis für ihre Lehren festsetzen, spricht Sokrates ohne Bezahlung. Doch nimmt er Geschenke an, die der von ihm angebotenen Gabe entsprechen. Er muss es sogar, wie Aristoteles versichert, weil Wissen und Geld kein gemeinsames Maß besitzen. Gibt es also Verbindlichkeiten, die sich keinem Vertrag verdanken, und Güter, die sich jedem Marktwert entziehen? Gibt es ein soziales Band diesseits von Gesetz und Geld? Marcel Henaffs Studie zeigt, daß sich eine Antwort auf diese Fragen nur diesseits der eingespielten Arbeitsteilung zwischen ökonomischen und moralischen Diskursen finden lässt. Im Anschluss an die anthropologischen Forschungen von Marcel Mauss lokalisiert er die Quelle des Sozialen in dem elementaren Austausch von Gabe und Gegengabe.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.07.2009

Der Autor als "Anti-Gretchen". So sieht es der Rezensent. Und er sieht es mit Zufriedenheit. Wenn Marcel Henaff (im Original bereits 2002, aber brandaktuell) die verbindenden Werte, wie Freundschaft, Großzügigkeit und Dank gegen die Hochfinanz, gegen das Geld in Stellung bringt, fühlt sich Dieter Thomä nicht gemaßregelt oder mit einer ihrer selbst sich versichernden Philosophie konfrontiert. Zwar ruft ihm der Autor im Clinch mit den "harten Fragen" zum Thema Geld in Erinnerung, dass die Auseinandersetzung mit dem Zaster ursprünglich zur Philosophie gehört. Durch Henaffs Lesart von Simmels Einsichten (in den Konnex von Geld und Freiheit etwa), seine "prägnante" Rückschau auf die Antike und die "griechische Gunst" lernt Thomä jedoch, dass es konkrete Haltungen und Handlungen gab und gibt, die sich gegen die Macht des Geldes sperren.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 02.05.2009

Mit intellektuellem Vergnügen hat Rezensent Robin Celikates diese "gelehrte Abhandlung" zur Frage gelesen, ob es Dinge gibt, die nur einen Wert, aber keinen Preis haben können: die Wahrheit, die Kunst oder die Philosophie zum Beispiel. Marcel Henaffs zentrale These sei, dass es einen Bereich gebe, der von dem des "vermarktlichten Gütertausches strikt unterschieden werden" müsste, den Bereich des "symbolischen Gabentausches" nämlich. Der in den USA lehrende französische Literaturprofessor arbeite seine Diskussion entlang der Phänomene von Opfer, Gnade und Schuld aber auch an der Epochenwende der Erfindung des Geldes als Tauschwertersatz in drei Teilen heraus. Dem Rezensenten fehlt lediglich ein Ausblick dieser Grenzmarkierung der Marktlogik auf gegenwärtige Debatten.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 02.05.2009

Angetan zeigt sich Uwe Justus Wenzel von Marcel Henaffs "opulentem" Werk über Philosophen, Sophisten, Weisheitslehrer, die Gabe und das Geld. Ausführlich rekapituliert er die Interpretationen zur antiken Auseinandersetzung um eine Bezahlung von Philosophen in der Antike. Doch sieht er in dieser Frage nur den Ausgangspunkt der umfangreichen Studie. Hieran anknüpfend versuche der Autor, Philosoph und Kulturanthropologe, der "geheimnisvollen Geste des Gebens" auf die Spur zu kommen und gerate dabei ins "Zeitalter des Opfers" und in die Logik von Schuld und Gnade. Schließlich rehabilitiere er das Geld als nützlichen "Operator" in der Sphäre der Gerechtigkeit ebenso wie den Sophisten. Der entscheidende Punkt für Henaff ist nach Wenzel das "doppelte Register sozialer Beziehungen": "Ritueller Gabentausch" und "ökonomischer Warentausch". Er sieht den Autor hier in der Tradition von Klassikern der Kulturanthropologie wie Marcel Mauss.
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