Die Philosophie sucht nach der Wahrheit - und hat bis heute nur eine Menge konkurrierender Wahrheiten gefunden. Im 19. Jahrhundert riskierten Denker wie Marx, Nietzsche und Kierkegaard einen radikalen Bruch: Sie setzten ihre eigenen Wahrheiten wie einen Befehl in die Welt. Damit war jene Anti-Philosophie geboren, die für Boris Groys das Wahrheitsverständnis der Gegenwart verkörpert. Seine Porträts großer Anti-Philosophen stellen dieses Denken zum ersten Mal in einem Zusammenhang dar: von Kierkegaard über Heidegger bis Derrida. Eine Philosophiegeschichte der besonderen Art - aber auch eine Anleitung für ein Denken auf der Höhe der Zeit.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 30.09.2009
Leichtfüßig und scharfsichtig sind Boris Groys' Aufsätze zur "Antiphilosophie", gesteht Rezensent Matthias Kross. Dabei scheint es Kross fast ein wenig zu ärgern, dass er die Texte über Heidegger, Bachtin, McLuhan und andere – mithin der gesamten Riege der rationalitätskritischen Philosophen und Medientheoretiker der letzten 150 Jahre – so gekonnt findet. Spöttisch ernennt er Groys zum Vordenker der Antiphilosophie und bescheinigt ihm sogar "schlafwandlerische Sicherheit" im Umgang mit den russischen Denkern der Avantgarde-Zeit. Bei all dem intellektuellen Plaisir das Kross – auch gerade an Groys origineller Verknüpfung heterogener Denker – hat, bleibt der Begriff der "Antiphilosophie" für ihn am Ende aber doch unscharf. Schließlich, wie Kross weiß, ist bereits im berühmten aufklärerischen "Sapere aude!" eine antiphilosophische Note zu hören, was den Zwillingscharakter von Philosophie und Antiphilosophie beweist.
Als anregend und lesenswert lobt Rezensent Otto. A. Böhmer dieses Buch, das seinem Eindruck zufolge einen Paradigmenwechsel in der Philosophie beschreibt, die statt die Welt zu erklären, nur noch Wahrheiten im Sonderangebot anzubieten habe und auf die Welt nicht mehr mit beschreibender oder gar phänomenologischer Kritik, sondern dem totalitären Befehl reagiere, sie zu verändern. Diesen, aus Boris Groys Sicht mit Nietzsche und Kierkegaard einsetzenden Diskurs, beschreibe auch der Begriff "Anti-Philosophie". Dennoch fühlte sich der Rezensent nicht tatsächlich in diese Denkweise eingeführt, wie ihm der Titel versprach. Denn aus Sicht des Rezensenten, der im Hauptberuf Schriftsteller und Filmemacher ist, reduziert Groys in seinen Ausführungen auch verdiente und unverdächtige Denker zu "Befehlsgebern und Anti-Philosophen". Strafmildernd räumt Böhmer ein, dass dies an der unglücklichen Form der Publikation liegen könne, die als Essay-Sammlung nun mal kein echtes Gedankengebäude bauen könne, sondern darin lediglich unterschiedlichen Texten nachträglich eine These aufgebürdet worden sei.
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