Aus dem argentinischen Spanisch von Peter Kultzen. María - nicht zu verwechseln mit der Autorin, oder doch? - ist um die vierzig. Sie entstammt der Upper Class von Buenos Aires, schlägt sich aber mit prekären Kulturjobs durch. María hat stets ein lebenskluges Bonmot parat, hält sich selbst jedoch für träge, vergesslich, kurzum: lebensunfähig. Ihre leicht verschrobene Familie sieht das genauso - besonders die wirklich schwierige Mutter, die sich als Schwiegersohn mindestens einen Polospieler wünscht.
Vor allem aber führt María ein Leben mit Bildern, vertieft sich in das Leben vor und hinter und in der Kunst. Bekommt sie Panik oder schlechte Laune, flieht sie ins Museum. Manchmal verfolgt María eine Frau im roten Kleid, nur weil die Farbe sie an ein bestimmtes Gemälde Mark Rothkos erinnert. Und so fließen die Eskapaden der Erzählerin zusammen mit faszinierenden Bildbeschreibungen, Kunstgeschichten und Anekdoten um bekannte und unbekanntere Künstler wie Gustave Courbet, Henri Toulouse-Lautrec oder Cándido López.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 08.08.2019
Rezensent Rudolph von Bitter fühlt sich üppig beschenkt mit Maria Gainzas assoziationsreichem Prosadebüt. Plaudertalent wäre wohl zu tief gegriffen, findet Bitter und erläutert das Funktionieren von Gainzas, im Text einer Kunstführerin in Buenos Aires in den Kopf gelegten Gedankengängen als Literatur: Wissen, Apodiktik und Egozentrik gehen demnach eine unwiderstehliche Mischung ein, überzuckert mit Spannung. Eine Autorin und eine Erzählerin, denen man gern auf den Leim geht, meint Bitter. Peter Kultzens Übersetzung trägt laut Bitter unbedingt ihren Teil dazu bei.
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