Marie Malcovati

Als hätte jemals ein Vogel verlangt, dass man ihm ein Haus baut

Roman
Cover: Als hätte jemals ein Vogel verlangt, dass man ihm ein Haus baut
Edition Nautilus, Hamburg 2022
ISBN 9783960542803
Gebunden, 224 Seiten, 22,00 EUR

Klappentext

Iona, hochschwanger und obdachlos, bricht eines Nachts bei strömendem Regen in ein leerstehendes Haus in einem süddeutschen Dorf ein. Sie sucht dort ihren Vater Tahvo, den sie nie kennengelernt hat, nie kennenlernen wollte. Doch nun braucht sie Geld. Tahvo aber ist verschwunden - stattdessen trifft Iona auf seine Nachbarin. Tine, die ihre Adoptivtochter über alles liebt, aber nie verwunden hat, keine leiblichen Kinder bekommen zu können, hatte eine Affäre mit Tahvo, und sie vermisst ihn. Karolin, die Tavho vor vielen Jahren in Berlin kannte, führt die einzige Gaststätte des Dorfes. Auch sie kämpft mit den Geistern der Vergangenheit und ihren Erinnerungen. Die drei Frauen machen sich auf in Tahvos Heimat Finnland, um dort nach ihm zu suchen. Auf der Reise geraten ihre unterschiedlichen Vorstellungen von Mutterschaft, vom Leben und davon, wer Tahvo eigentlich ist, mehr und mehr aneinander. Aber sie machen auch die Erfahrung, dass es nicht der abwesende Mann ist, der ihre Leben bestimmt, und dass sie manche Illusionen besser begraben sollten.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 02.07.2022

Rezensentin Cornelia Geißler folgt gerne Marie Malcovatis Erzählung von Freiheit und Heimat. Es geht um drei Frauen, die auf je unterschiedliche Weise mit einem Mann verbunden sind, der aus seinem Haus im deutschen Luchsberg verschwunden ist: Tine, seine Nachbarin und Mutter einer Adoptivtochter, die eine Beziehung mit ihm hatte; Iona, seine schwangere obdachlose Tochter, und Karolin, die Gastwirtin des Ortes, die ihn gut kannte. Die sich ergebenden Verknüpfungen nacherzählen will die Kritikerin nicht, weil dabei manches "übertrieben, gar aberwitzig" wirken könne - fast sind ihr die Figuren und die Handlung teilweise zu "exzentrisch", scheint es. Dennoch schätzt sie die "kratzige Wut" der Protagonistinnen, ebenso wie die "starke Stimme", mit der Malcoviti von Heimat, aber auch vom Ausbrechen aus vorgegebenen Strukturen erzähle.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.04.2022

Die drei Heldinnen im Roman stehen dem eigensinnigen Titel in nichts nach, klärt uns Rezensentin Lerke von Saalfeld auf. Sie folgt hier der schwangeren Iona, Karolin, die ein Kind verloren hat und Tine auf einer wendungsreichen Odyssee - alle drei stehen in Verbindung zum Finnen Tahvo, als Tochter, Kindsmutter und Geliebte, resümiert die Kritikerin. Viel über die Frauen erfährt Saalfeld nicht, sie mögen einander nicht besonders, jede hat ein ordentliches Schicksalspaket zu schultern, aber Malcovati psychologisiert nicht, erklärt die Rezensentin. Es ist gerade der "nüchterne, realistische" Ton, der die Raffinesse dieses mitunter märchenhaften, auch gruseligen Romans ausmacht, schließt sie.
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