Aus dem brasilianischen Portugiesisch von Markus Sahr. "Mein fremder Krieg", 2010 in Rio de Janeiro erschienen, ist ein autobiografisches Szenenbuch und zugleich eine Art erwachter Empfindungsfundus aus den Erinnerungen der italo-brasilianischen Autorin Marina Colasanti. Das Buch ist zunächst eine Spurensuche nach dem schon lange verstorbenen Vater, einem Industriellen, der ein überzeugter Anhänger Mussolinis gewesen war, auch nach den Ursachen seiner faschistischen Überzeugungen.
Es ist zudem ein Erinnerungsbuch, bei dem der Krieg sich in den Augen eines Kindes spiegelt, dem glückliche Umstände gestatteten, nicht nur am Leben, sondern mit allen Sinnen lebendig zu bleiben, so dass der erwachsene Mensch Impressionen von ungeheurer Detailgenauigkeit und verblüffender Präzision hervorzuholen vermag.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.12.2016
Fridtjof Küchemann ist erleichtert, über den großen Krieg einmal einen eher unbekümmerten Bericht zu lesen. Wenn Marina Colastani in ihrem Erinnerungsbuch mit kindlichem Blick, ohne Moral und dennoch ungeschönt, wie Küchemann erklärt, von ihrer Kindheit im Krieg, von den Stationen ihres Lebens in Eritrea, Italien und schließlich Brasilien erzählt, lauscht der Rezensent gebannt. Vor allem die elegante und Tiefe verleihende Natürlichkeit des Buches hat Küchemann beeindruckt. Anekdoten und Beobachtungen, etwa zur Verwendung von Angorawolle im Krieg, machen die Lektüre für ihn zum Vergnügen und zur Bereicherung.
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