Aus Joachim Ritters "Collegium Philosophicum" sind bedeutende Vertreter der deutschen Gegenwartsphilosophie hervorgegangen, darunter Hermann Lübbe, Odo Marquard und Robert Spaemann. Einige von ihnen wirkten als Publizisten und Sachverständige, in politischen Ämtern und Gremien, in Rechtswesen oder Kirche weit über die akademische Sphäre hinaus. Diese "Ritter-Schule" hat den wissenschaftlichen Diskurs und das geistige Leben der Bundesrepublik geprägt, etwa in den Auseinandersetzungen um die Grundlagen der freiheitlich-demokratischen Ordnung, die Erneuerung der praktischen Philosophie oder die Aufgabe der Geisteswissenschaften. Heute tritt die Bedeutung des Kreises zunehmend hervor und wird im Horizont aktueller Debatten um Zivilgesellschaft, Geschichtskultur und die Rückkehr der Religion erörtert.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.02.2016
Die eigene Schule als blinden Fleck erkennt Rezensent Lorenz Jäger in Mark Schwedas, wie er findet, großartiger Zusammenschau von Ritter-Schülern und ihren unterschiedlichen Wegen. Die Kunst, derart Disparates auf Problemstellungen in den Theorien Joachim Ritters zurückzuführen, scheint Jäger beträchtlich. Schwedas Darstellung von Odo Marquards Arbeit in diesem Zusammenhang scheint ihm bemerkenswert. Ebenso, wie der Autor die Rechtstheorie Martin Krieles an Ritters Rechtsstaatlichkeitspostulat zurückbindet oder Valentin Tombergs "Großen Arcana des Tarot" kontextualisiert.
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