Ein Gespenst geht um in Europa und anderen Ländern des einstmals so goldenen Westens, das Gespenst des Rechtspopulismus. Und wie es so geht mit Gespenstern: Es nährt sich von der Furcht, es wirkt durch grausige Effekte, und oft genug steckt hinter dem gespenstischen Spuk noch etwas anderes als die ewige Wiederkehr des Totgesagten. Der scheinbar unaufhaltsame Weg von den repräsentativen Demokratien zu totalitären, populistischen und neu-nationalistischen Regimes hat Ursachen, Medien, Sprachen, psychologische, ökonomische und kulturelle Wirkkräfte, die erst durch die gegenseitige Verstärkung solch einen phänomenalen Sog erzeugen.
Es gibt nicht den einen und alles erklärenden Grund für den größten politischen Rückschritt der letzten Jahrzehnte, der von Trump zu Orbán, von der AfD zu den Neofaschisten, von der Neuen Rechten zu den populistischen Parolen gegen "Establishment" und "Lügenpresse" reicht. Vielmehr erleben wir ein unübersichtliches, oft sogar widersprüchliches Durcheinander von Symptomen und Krankheiten einer Demokratie, die ihre besten Tage, wie es scheint, hinter sich hat.
Aber allen diesen Erscheinungen des Rechtsrucks sind zwei Eigenschaften gemeinsam: Sie sind nicht geheimnisvoll und sie sind nicht schicksalhaft.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 10.07.2018
Harry Nutt lernt von Georg Seeßlen und Markus Metz, dass es die Rechte nicht erst seit gestern gibt. Scharfsinnig findet er, wie die Autoren ideologische Verbindungen und Traditionen, Strömungen und Unterströmungen ausmachen, um den Weg der rechtskonservativen und -radikalen Bewegungen aufzuzeigen. Auch als Geschichte einer narzisstischen Kränkung durch die "Kulturlinken" lernt Nutt die Neuformierung der intellektuellen Rechten, den Zusammenschluss von Neoliberalismus und Rechtspopulismus, hier kennen.
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