Seit Anfang der 90er Jahre bis kurz vor seinem Tod 1997 äußerte sich Martin Kippenberger in längeren Interviews. Diese Gespräche waren nie als eigenständige Tonaufnahmen gedacht, fanden in Kneipen oder sogar im Zug statt und gerieten nahezu in Vergessenheit. Zusammen mit Gisela Capitain konnten Robert Eikmeyer und Thomas Knoefel den Großteil dieser Aufnahmen ausfindig machen. Ein Hörgenuss nicht nur für Kippenberger-Fans, sondern für alle, die seinen enormen Einfluss auf die Kunst seit Mitte der 90er Jahre besser verstehen wollen.
Offenbarungseffekte verdankt Alexander Cammann diesem Hörbuch mit O-Tönen von Martin Kippenberger. Nicht nur wegen des mit einem Speisewagengeräuschteppich sowie dem irren Gelächter von Interviewer Diedrich Diederichsen unterlegten mündlichen Berichts von Kippenbergers eigener Offenbarung: "Du bist auserwählt!" Auch sonst findet er die CD mit der Stimme des toten Künstlers sowie dem Knacken und Rauschen im Hintergrund schlicht zum Niederknien: "Die Stimme des Herrn spricht ungefiltert zu uns!" Ganz frei von den ganzen Kunstmarktverlogenheiten und dem Starkult des Betriebs. Hier ist die Kunst und das Sprechen darüber noch heilig, haucht uns der Kritiker zu.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 04.08.2009
Nahezu berauscht ist Holger Liebs nach dem Hören der dreiteiligen CD-Reihe "Originaltonaufnahmen" zu Martin Kippenberger, Otto Dix und Liam Gillick. Vor hintergründiger Kneipenakustik sind es hier nämlich die Künstler selbst, die sich und ihre Kunst kommentieren. Und was, fragt Liebs, ist authentischer an Kunst als der sie schaffende Künstler? Zu der Erfahrbarkeit von der Authentizität der drei Maler gesellt sich der Unterhaltungswert der Aufnahmen. Liebs leidet, lacht und lebt mit allen dreien. Gemälde werden nun endlich mit Gehörtem bereichert, sozusagen wie eine geführte Museumstour. Und dabei ist und bleibt alles absolut unverfälscht. Die Wirkung ist klar: "Es ist ein neues Sehen, das sich einstellt, wenn man diesen Künstlern zugehört hat."
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