Aus dem Englischen von Henning Thies. Die Länder in der Mitte des europäischen Kontinents haben eine lange Geschichte von Kriegen und Konflikten - und fügen sich doch zu einem einzigartigen kulturellen Gebilde zusammen. Martyn Rady nimmt Mitteleuropa erstmals umfassend in den Blick, vom Rhein bis zu den Karpaten, von der Schweiz bis zur Ukraine, und zeichnet nach, wie die Region über die Jahrhunderte geprägt wurde. Er beleuchtet die Invasionsversuche fremder Mächte - von den Hunnen über die Osmanen und Schweden bis zu Russland -, zeigt, wie sich im Mittelalter ein selbstbewusster Adel und ein ritterliches Ethos herausbilden, selbstbewusste Städte aufblühen, wie die Habsburger nach der Weltherrschaft streben und wie Mitteleuropa durch den Dreißigjährigen Krieg verwüstet wird. Rady schildert die Umwälzungen durch Napoleon und die Geburt der Nationalstaaten, die Verheerungen der beiden Weltkriege und die bis heute nachwirkende Frontenbildung durch den Kalten Krieg, zeigt aber auch, wie geistige Revolutionen von der Reformation über die Aufklärung bis zu den künstlerischen und intellektuellen Strömungen der Moderne in die ganze Welt ausstrahlen.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 21.01.2025
Ein höchst lehrreiches Buch über Mitteleuropa, das gleichwohl ein paar blinde Flecken hat, legt Martyn Rady hier vor, findet Rezensent Marko Martin. Der Historiker Rady definiert Mitteleuropa, erfahren wir, wie der Titel nahelegt, als das Gebiet zwischen Rhein und Karpaten, wobei Nord- und Südgrenzen weniger klar definiert sind. Das Buch deckt eine große Zeitspanne ab, vom Römischen Reich bis in die Gegenwart, wobei weniger große Thesen im Zentrum stehen, als kleinteilige historische Analysen, die etwa die wechselvollen Geschichte einer einzelnen Ortschaft nachzeichnen. Es geht außerdem um Unterschiede zwischen Mittel- und Westeuropa: Im Westen dominieren früh Freiheitsrechte, während in Mitteleuropa starke Bürokratien entstehen, und schließlich auch das Nazi-Schreckensregime für Verwüstungen sorgt. Dass die kulturellen Leistungen Mitteleuropas ebenfalls Erwähnung finden, gefällt Martin zwar - allerdings vermisst er eine Auseinandersetzung mit Denkern des 20. Jahrhunderts wie Franz Kafka und Milan Kundera. Alles ist also noch nicht gesagt über Mitteleuropa, heißt es zum Schluss, und das hat ja auch sein Gutes.
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