Aus dem Griechischen von Luna Gertrud Steiner. Der 1982 erstmals erschienene Roman erzählt die Geschichte eines alternden Richters und eines jungen Offiziers, der sich wegen seiner Nichtbeförderung an das Gericht wendet. Zwischen den beiden entwickelt sich eine enge Beziehung. Während der Hauptmann vergebens auf seine Beförderung wartet und in den verstaubten Korridoren des Gerichts verkümmert, erlangt der Richter die höchste Stufe des Richteramtes. Der persönliche Zerfall des schönen Hauptmanns wird für den Richter schließlich zum Prüfstein des eigenen Gewissens: War seine Loyalität zum autoritären Staat falsch, hat er für sein eigenes Fortkommen in der Obristendiktatur doch einen zu hohen Preis bezahlt?
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 30.01.2002
Marli Feldvoss sieht in dem Roman des griechischen Autors, in dem ein junger Hauptmann gerichtlich um seine aus unerfindlichen Gründen verweigerte Beförderung kämpft, weit mehr als eine Schilderung der Realität der sechziger und siebziger Jahre in Griechenland. Sie ist fasziniert von der doppelbödigen Erzählhaltung des Buches, das stets eine "ironische Distanz" zum Geschehen hält und sich dadurch, so die Rezensentin angetan, zu einer "Parabel" steigert, in der vorgeführt wird, wie die "Gesellschaft ihre Kinder frisst". Die zum "Selbstzweck" werdenden Bemühungen des Protagonisten und die ins "Surreale gesteigerten Bilder" erinnern Feldvoss gar an Gestalten von Kafka und Melville.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 10.10.2001
Koumandareas gehört zu den bekanntesten Schriftstellern Griechenlands - solche Sätze muss man wohl hierzulande einer Buchkritik hinzufügen. Cornelia Staudacher präsentiert Menis Koumandareas, den sie zu den Vertretern eines "sozial anmutenden Realismus" zählt. Dennoch prägt den vorliegenden Roman eine atmosphärisch dichte, aber sparsame und unpathetische Sprache, schreibt Staudacher, er werde vom nur Angedeuteten, Unausgesprochenen rätselhaft in der Schwebe gehalten. Das Überdeutliche, der soziale Zeigefinger ist also Koumandareas' Sache nicht. Sein Roman spielt zu Beginn der 60-er Jahre, kurz vor und nach Beginn des Militärregimes, als jener "schöne Hauptmann" vergeblich versucht, gegen seine Nicht-Beförderung zu klagen und über seinem Kampf gegen die Windmühlen der Justiz verzweifelt. Das herrschende Klima der Autorität und Verunsicherung wird eindrucksvoll nachvollziehbar, so Staudacher, der junge Mann gerate zum Symbol einer Jugend, "die vergeht, ohne gelebt zu haben".
Rezensionsnotiz zu
Die Tageszeitung, 10.10.2001
Dieses Buch über eine unterdrückte homoerotische Beziehung, das in den sechziger Jahren, kurz vor der griechischen Militärdiktatur spielt, gefällt dem Rezensenten Manuel Gogos ziemlich gut. Gogos nennt den Roman "ein Pamphlet", das "die Allianz der Rechten mit dem griechischen Spießbürgertum" aufzeigt und dabei sehr präzise differenziert. Die Spannung wird seiner Ansicht nach subtil und gekonnt aufgebaut, der Leser von Koumandareas "ganz dicht an die Tabus der Erotik und der Politik" herangeführt, lobt der Rezensent.
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