Die Demokratie ist heute mit einer außergewöhnlichen Verdichtung an externen Krisen konfrontiert: Klimawandel, Migration, Pandemie, Krieg und entgrenzter Kapitalismus. Doch was meinen wir eigentlich, wenn wir von "der" Demokratie sprechen? Wie gehen die entwickelten Demokratien mit diesen Herausforderungen um? Begegnen sie dem Zeitdruck mit "Verschlankung" der demokratischen Verfahren? Antworten sie auf die rechtspopulistischen Bewegungen mit illiberalen Instrumenten wie Verboten, Überwachung und Ausschlüssen? Befinden sich die Demokratien im Niedergang? Die Pfade sind nicht vorgezeichnet, der Niedergang ist nicht besiegelt. Die Schwächen und Blessuren der liberalen Demokratien treten heute jedoch deutlicher hervor als noch zur Jahrtausendwende. Aber neben der neuen Zerbrechlichkeit der Demokratie stehen auch beachtliche Erfolge der Demokratisierung, etwa in Geschlechterfragen oder der Zivilgesellschaft. Bei allen Sorgen - so Wolfgang Merkel - sollte man die Resilienz der liberalen Demokratien nicht unterschätzen.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 15.01.2024
So ganz überzeugt ist Rezensent Rudolf Walther nicht von diesem Band, der 15 Aufsätze des Politikwissenschaftlers Wolfgang Merkel zu den drei Oberthemen "Herrschaft, Krise und Ambivalenz" vereint. Der Beitrag zur Entstehung der Demokratie in der Antike hat für Walther Schulaufsatzcharakter, zudem geht seines Erachtens der Plan nicht ganz auf, eine systematische Einordnung von politischen Krisen vorzunehmen, zu "lückenhaft" ist die theoretische Basis. Das Kapitel zur bundesdeutschen Politik in der Pandemie findet der Kritiker am überzeugendsten, das Buch als solches aber stellt ihn abschließend nicht ganz zufrieden.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.11.2023
Rezensent Gerald Wagner empfiehlt das Buch des Politikwissenschaftlers Wolfgang Merkel als lesenswerte Zeitdiagnose. Auch wenn die 15 Aufsätze im Band teilweise schon 20 Jahre alt sind, gelingt dem Autor, indem er seine früheren Standpunkte einer Revision unterzieht, ein spannender Blick auf die vielbeschworene Krise der Demokratie. Wie der Autor mit seiner eigenen Skepsis ringt und nach Antworten sucht, scheint Wagner erkenntnisreich, schon weil Merkel nicht als Soziologe, sondern als Politikwissenschaftler die "Unterschichtsexklusion" konstatiert und dazu begriffliche Schärfe reinbringt. Am Ende hat auch für Merkel der Staat versagt. Die Forderung des Autors nach einem stärkeren demokratischen Staat und mehr Politik scheint Wagner einzuleuchten.
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