Aus dem Französischen von Marcus Seibert. Im Jahr 1924 erscheint in Paris der Roman "Les Montparnos". Seinen Verfasser, Michel Georges-Michel, macht das Buch über Nacht berühmt. Inmitten der Bordelle, Cafes und Nachtclubs ringen zu Beginn des 20. Jahrhunderts Modigliani, Picasso, Moïse Kisling und zahlreiche andere Künstler der Pariser Künstlergemeinschaft um nichts Geringeres, als die Kunst völlig neu zu erfinden. Die Nächte sind ein endloser, fiebriger, ausschweifender Rausch, die Tage verbringen viele von ihnen in kärglichen Kellerateliers, ausgemergelt und ausgebeutet wie Tagelöhner. Um sie herum Intellektuelle, Träumer, Literaten, Strichjungen, Tänzerinnen und Verrückte aus allen Herren Ländern, angezogen von einer Stadt, die endlich ihren Lebenshunger stillt. Georges-Michel wählte er für seine Schilderungen die Romanform, entspann Fiktives und verknüpfte es mit Gesehenem, Selbsterlebtem und seiner intimen Kenntnis der Pariser Kunstszene.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 03.09.2010
Leicht und seicht und dennoch lesenswert findet Niklas Bender diesen erstmals 1931 auf Deutsch publizierten Roman von Michel Georges-Michel. Wie der Autor die quasireligiösen Aspekte der Kunst der Boheme am Montparnasse sich in der realistischen Beschreibung von Zweifel und materieller Not brechen lässt, hat Bender gut gefallen. Wer sich hinter welcher Gestalt im Roman verbirgt (Modigliani, Jeanne Hebuterne?) spielt für ihn dabei keine Rolle. Eher als um Personen, meint Bender, geht es um den Geist der Szene. Den abzubilden, findet er, gelingt dem Autor und den im Band enthaltenen Illustrationen spielend.
Eine gute Idee, Michel Georges-Michels "Die von Montparnasse" neu aufzulegen, findet Jan Scheper. Die erstmals in den 1920er Jahren erschienene Erzählung skizziert die Künstler- und Intellektuellenszene auf dem Pariser Montparnasse. Protagonist ist der Maler Modrulleau, für dessen Darstellung sich der Autor des Lebens von Maler Amedeo Modigliani bediente. "Kurzweilig, unterhaltsam und ohne Längen" sei die Erzählung, so Scheper, und der Vorwurf der literarischen Überhöhung Modiglianis nicht haltbar, immerhin sei es ein "Boheme-Roman". Sehr lesenswert sei sie abgesehen davon aber auch, weil das Pariser Künstlerviertel der Zwanziger Jahre dem heutigen Montparnasse kaum noch ähnele.
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