Kapitalistisches Monster, Zombie der Wiedervereinigung, erinnerungskulturelle Bad Bank: Negative Zuschreibungen prägen in Medien und Literatur das Bild der Treuhandanstalt, die 1990 zur Privatisierung der "volkseigenen" DDR-Unternehmen gegründet wurde. Der Treuhand wird angelastet, dass damals zweieinhalb Millionen Menschen ihre Arbeitsplätze verloren, dass Biografien brüchig und Lebensentwürfe zerstört wurden. Auch 30 Jahre nach dem Mauerfall ist die Treuhand noch immer das Feindbild für viele Ostdeutsche, Sündenbock für ökonomische Fehlentwicklungen und neuerdings auch Erklärungsmuster für das Auftreten von Rechtspopulisten und Rechtsextremisten. Aber die gefühlten Wahrheiten und Legenden überwuchern oft die historischen Tatsachen.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 09.09.2019
Ralf Husemann ist überzeugt von dieser Treuhand-Bilanz des pensionierten Spiegel-Redakteurs Norbert Pötzl, der den Kritikern des "Ausverkaufs Ost" vorhält, nur emotional und jenseits der Fakten zu argumentieren. Die Zahlen sprechen für die Treuhand, meint Husemann, der ihr etwa positiv anrechnet, dass die Arbeitslosigkeit 1999 bei siebzehn Prozent lag und heute bei sieben Prozent liegt. Oder dass ein Viertel der Ostdeutschen noch fünf Jahre nach der Wende im selben Betrieb arbeiteten.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 09.09.2019
Sabine Adler empfiehlt das Buch des ehemaligen "Spiegel"-Redakteurs Norbert F. Pötzl für Klarsicht in Sachen Treuhand. Der Leser erfährt laut Rezensentin in kompakter Weise und flüssigem Stil über die Vorwürfe gegen die Treuhand, woher sie stammen und was dran ist. Pötzls kritische Auseinandersetzung etwa mit Petra Köpping findet Adler überzeugend, ebenso die Zahlen zu Transferleistungen, Arbeitslosigkeit und zu Renten Ost und West, die der Autor liefert. Wertvoll findet die Rezensentin zudem die Quellenverweise im Buch. Einzige Schwäche laut Adler: dass sich Pötzl in Sachen Bitterfeld nur auf Monika Marons Buch verlässt.
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