Philipp Ther

Das andere Ende der Geschichte

Über die Große Transformation
Cover: Das andere Ende der Geschichte
Suhrkamp Verlag, Berlin 2019
ISBN 9783518127445
Taschenbuch, 200 Seiten, 16,00 EUR

Klappentext

1989 erschien der Westen als der alleinige Sieger der Geschichte. Heute klingt der damalige Triumphalismus mehr als schal. Was ist schiefgelaufen? In einer Reihe thematisch verflochtener Essays sucht der vielfacht ausgezeichnete Historiker Philipp Ther nach einer Antwort. Er befasst sich u. a. mit wirtschaftspolitischen Irrwegen seit der Wiedervereinigung (von der Treuhand bis zu Hartz IV), analysiert die Entwicklung der USA ab den Clinton-Jahren und fragt, warum Russland und die Türkei sich vom Westen abgewandt haben. Anknüpfend an Karl Polanyis bahnbrechendes Buch "The Great Transformation" rekapituliert Ther die rasanten Veränderungen der letzten drei Jahrzehnte, die westlich des ehemaligen Eisernen Vorhangs nicht minder dramatische Folgen hatten als östlich davon.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 30.01.2020

Rezensent Hans von Trotha lernt die Welt besser zu verstehen mit dem Buch des Osteuropa-Historikers Philipp Ther. Wie Ther auf beste essayistische Art ein zeitdiagnostisches Panorama der Entwicklungen und Umbrüche nach 1989 erstellt, indem er über die USA, die Bundesrepublik und die Entfremdung des Westens von Russland und der Türkei schreibt, findet Trotha ebenso reflektiert wie bodenständig analytisch. Die Frage, wie es zum Aufstieg der Rechtspopulisten kommen konnte, beantwortet Ther laut Trotha unter Zuhilfenahme von Karl Polanyis Kapitalismusanalyse von 1944.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.11.2019

Hannes Hintermeier schätzt am Osteuropa-Historiker Philipp Ther den klugen und bescheidenen Blick auf die Verhältnisse. Statt Ressentiments oder Wegsehen pflegt der Autor laut Hintermeier das Kehren vor der eigenen Haustür, indem er für Gemeinwohl, Menschenwürde und intakte soziale Systeme wirbt. Die heute nachwirkenden gesellschaftlichen Umbrüche von 1989 und 2016 erläutert der Autor am Beispiel von Deutschland, Italien, Russland und der Türkei und aus eigener Anschauung, so der Rezensent. Das ist nicht alles neu, meint er, aber weiterhin hörenswert, vor allem von diesem Autor.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 02.10.2019

Die Gegenwart ist nicht das, was man nach dem Ende des Kalten Krieges von der Zukunft erwartet hat. Warum die liberale Demokratie und die freie Marktwirtschaft in der Krise stecken, und weshalb autoritäre Regierungen und rechtspopulistische Parteien an Macht gewinnen, fragt Philipp Ther in sechs Essays, die laut Rezensent Jans Bisky gemeinsam einen der spannendsten Beiträge zur Debatte über Entwicklungen der Gegenwart bilden. Ther verzichtet auf Schuldzuschreibungen und einfache Schwarz-Weiß-Kategorien, so Bisky. Stattdessen analysiere er mit Rückgriff auf Theorien wie die des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlers Karl Polanyi die Bewegung vom "Neoliberalismus zum Illiberalismus". Dabei versucht er auch, selbstkritisch Erklärungen zu finden für die Schwäche der Linksliberalen, so Bisky, etwa wenn er die Wirtschaftsprobleme in einigen Hochburgen der amerikanischen Demokraten benennt. Am Ende steht für den von Herzen zustimmenden Bisky die zentrale Erkenntnis, dass neben der Freiheit auch das Schutzbedürfnis der Menschen ernst genommen werden muss, was laut Ther insbesondere durch Investitionen in staatliche Infrastrukturen und Bildung gewährleistet werden kann.

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