Norbert Miller

Die künstlichen Paradiese

Literarische Schöpfung aus Traum, Phantasie und Droge
Cover: Die künstlichen Paradiese
Wallstein Verlag, Göttingen 2022
ISBN 9783835352445
Gebunden, 888 Seiten, 48,00 EUR

Klappentext

Elf Dichter, die sich nicht nur aus ihrer Welt weg-, sondern eine Welt der Seligkeit herbeigewünscht haben. Norbert Miller begleitet die Vorläufer der europäischen Moderne, die großen Schöpfer von literarischen Paradiesen, auf ihren Pfaden durch die Untiefen der Seele.Von den Kuriositäten-Reportagen eines Restif de la Bretonne bis zu Eduard Mörikes Kinderfantasie eines fernen Inselreichs, von Samuel Taylor Coleridges lyrischen Balladen hin zu Jean Pauls erschriebenem Leben, von Thomas de Quinceys Niederschrift seiner Bekenntnisse eines Opiumessers über E.A. Poes kalkulierten Schreibprozess bis zu Charles Baudelaires zugleich deskriptiven und die Beschreibung überschreitenden Rauschmittel-Berichten - für tausendundeine Nacht schlägt das Erzählen die Zuhörenden und nach ihnen die Lesenden in seinen Bann und begründet eine ganze Literatur, die sich ihre Stoffe aus Reportage und Arabeske, aus Fantasie und Traum holt, bis hin zu den Halluzinationen unter "bewusstseinserweiternden" Substanzen wie Opium und Haschisch.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.03.2023

Rezensent Joachim Kalka findet dieses umfangreiche Werk über die Literatur der Romantik geradezu umwerfend. Der Literatur- und Kunstwissenschaftler Norbert Miller hat hier in sorgfältiger Komposition elf Studien versammelt, unter anderem zu Jean Paul, E.T.A. Hoffmann, Eduard Mörike, Edgar Allan Poe und Baudelaire, berichtet der Kritiker. Der Fokus des Bandes liegt auf der romantischen Prosa, aber auch Lyrik hat große Bedeutung, lesen wir. Kalka findet auch die textergänzenden Mini-Exkurse sehr informativ: Millers Studien sind augenscheinlich, so der Rezensent, das Produkt jahrelanger, intensiver Analyse. Aber neben der theoretischen Brillanz lässt sich der Kritiker auch gerne von der "Hellsichtigkeit lange genossener Begeisterung" verführen, die den Texten innewohne. Fasziniert ist er auch davon, wie Miller es schafft, die romantischen Textwelten aus Mysterium, Traum und Begehren zum Leben zu erwecken und dabei auch in die seelischen Abgründe ihrer Autoren einzutauchen. Nicht nur inhaltlich, sondern auch optisch ist der Band ein "Genuss", schwärmt Kalka, der auch die teilweise farbigen Illustrationen klug ausgewählt findet und die Gestaltung allgemein sehr ansprechend.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 28.12.2022

"Großartig" findet Rezensent Jens-Malte Fischer die Veröffentlichung des Literaturwissenschaftlers Norbert Miller, die in zwei Kapitel unterteilt ist. Im ersten finden sich die Essays, die Charles Baudelaire über berühmte Zeitgenossen des 19. Jahrhunderts und deren Drogenkonsum geschrieben hat. Im zweiten begibt sich Miller in seinem "Resumée eines Gelehrtenlebens" in das 18. Jahrhundert und beschreibt, wie der romantisierte Orient in die Nächte Europas kam und nicht nur Jean Paul und Walter Benjamin beeinflusste. Das Traumhafte im Werk von E.T.A Hoffmann, Edgar Allen Poe oder Orson Welles auf den Punkt gebracht zu haben, ist für Fischer ein großer Wurf. Zumal die wesentlichen Zitate der elf im Buch analysierten Dichter zweisprachig nachzulesen und deshalb nicht nur für die Literaturwissenschaft äußerst erhellend sind, freut sich der Rezensent.

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