Oliver Tolmein (Hg.)

Besonderes Kennzeichen: D

Wahre Deutsche, Staatsbürger 2. Klasse und die unsichtbaren Dritten
Cover: Besonderes Kennzeichen: D
Konkret Literatur Verlag, Hamburg 2001
ISBN 9783930786336
Kartoniert, 162 Seiten, 11,66 EUR

Klappentext

Deutsche Leitkultur, Verfassungspatriotismus, Nationalstolz: Seit dem Historikerstreit der achtziger Jahre werden in Deutschland immer wieder Diskussionen über das Selbstverständnis der Nation geführt. Dieses Buch untersucht am Beispiel der Leitkultur-Debatte, welche materiellen Voraussetzungen diesen Diskussionen zu Grunde liegen und welche praktisch-politischen Konsequenzen sie haben. Es beschäftigt sich mit Fragen der staatlichen Einwanderungs- und Asylpolitik und ihrer ideologischen Verpackung ebenso wie mit den Lebensumständen der hierzulande "illegal" Lebenden und der generellen Benachteiligung "ausländischer" Minderheiten. Es vergleicht darüber hinaus die gesellschaftlichen Exklusions-Mechanismen in Deutschland mit den Verhältnissen in Frankreich und den USA.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 18.07.2001

Peter Felixberger informiert den Leser, dass es das ausdrückliche Anliegen des Herausgebers Oliver Tolmein war, die "ideologischen Überhitzungen" in Sachen deutscher Leitkultur und Multikulturalismus beiseite zu lassen und sich der Wirklichkeit von legalen und illegalen Einwanderern in Deutschland zuzuwenden. Bedauerlich findet der Rezensent dabei allerdings, dass hier der Alltag dieser Einwanderer in der Zeit vor Dezember 2000 untersucht wird, also die Zeit vor der Lockerung des Arbeitsverbots für Asylbewerber und geduldete Ausländer. Gemeinsam ist nach Felixberger fast allen Beiträgen, dass es um das "Aufeinanderprallen eines kulturell-hegemonialen deutschen Blockes mit der multikulturellen Vielfalt ausländischer Mitbürger" geht. Dass der Hegemonieanspruch in Wolf-Dieter Vogels Beitrag vor allem der CDU angelastet wird, findet der Rezensent jedoch nicht ganz richtig. Seiner Ansicht nach ist dies inzwischen durchaus eine Haltung unterschiedlicher Parteien. Gut gefällt ihm jedoch der Beitrag Michael Hahn, der eine Zersplitterung weniger nach Rassen als nach Klassen diagnostiziert. Insgesamt sieht der Rezensent in diesem Buch viele "wichtige Anstöße zur Debatte um gesellschaftliche Aus- und Abgrenzung". Allerdings vermisst ein Eingehen auf die "Perspektiven von Zuwanderung und Integration".

Beliebte Bücher

Nelio Biedermann. Lázár - Roman . Rowohlt Berlin Verlag, Berlin, 2025.Nelio Biedermann: Lázár
Alles beginnt, sogar das Ende, als Lajos von Lázár, das blonde Kind mit den wasserblauen Augen, zur Welt kommt. Seinem Vater, dem Baron, wird der Sohn nie geheuer sein, als…
Heike Geißler. Michaela Kohlhaas - Roman . Suhrkamp Verlag, Berlin, 2026.Heike Geißler: Michaela Kohlhaas
"Das Rechtgefühl machte ihn zum Räuber und Mörder." So erzählt es Heinrich von Kleist in seiner gleichnamigen Novelle über den Pferdehändler Michael Kohlhaas, der nach erlittenem…
Petra Morsbach. Orion - Roman . Penguin Verlag, München, 2026.Petra Morsbach: Orion
Nora lernt bei einem Studentenjob ihren späteren Mann kennen, einen Archivar. Sie wird Lehrerin für Deutsch und Geschichte in einem oberbayerischen Gymnasium, zieht einen…
Robert Seethaler. Die Straße - Roman . Claassen Verlag, Berlin, 2026.Robert Seethaler: Die Straße
Die Straße ist nicht im Zentrum der Stadt und nicht an ihrem Rand. Versteckt liegt sie irgendwo dazwischen. Kein Besucher würde sich dorthin verirren, und doch passiert in…