Aus dem Französischen von Holger Fock und Sabine Müller. Alexei Wangenheims Fachgebiet waren die Wolken. Überall in der UdSSR war man auf seine Vorhersagen angewiesen, damit Flugzeuge sicher landeten, Schiffe ihren Weg durchs Polarmeer fanden und die Kolchosen rechtzeitig die Ernte einfahren konnten. Bei der einsetzenden Eroberung des Weltraums erforschten seine Messinstrumente die Stratosphäre, er träumte von der Nutzung von Wind- und Sonnenenergie und glaubte an die Zukunft des Sozialismus - auch noch, als er aus unerfindlichen Gründen als "Saboteur" verhaftet wurde und sein Leben fortan dem Tod geweiht war. Während der Jahre im Arbeitslager schickte er seiner kleinen Tochter Eleonora regelmäßig Briefe mit Bilderrätseln, dazu Zeichnungen von Pflanzen und Tieren. Es war der Fund dieser bewegenden Korrespondenz, der Olivier Rolin dazu gebracht hat, den Spuren von Alexei Wangenheim zu folgen, dem Gründer und ersten Leiter des sowjetischen Wetterdienstes. Denn seine Geschichte ist auch die einer Revolution, während der sich der Traum von einer gerechteren Welt in einen schrecklichen Albtraum verwandelte.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 13.01.2016
Rezensent Matthias Hennig zeigt sich begeistert von Olivier Rolins Recherchearbeit in Sachen Gulag und dem daraus entstandenen Buch. Wie Rolin anhand der Aufzeichnungen des ukrainischstämmigen Meteorologen und Gulag-Häftlings Alexei Wangenheim die stalinistische Lagerwirtschaft vor den Leseraugen auffächert, öffnet für ihn einen historischen Abgrund. Dass der Autor dabei weniger fiktionalisiert als in seinen anderen Büchern und stattdessen Leerstellen und Ungewissheiten freilegt, gefällt dem Rezensenten. Auf die Art entsteht eine Archäologie des Grauens, gespiegelt in einer Biografie, meint Hennig.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 29.08.2015
In Olivier Rolins neuem Roman "Der Meteorologe" liest Rezensent Cornelius Wüllenkemper nicht nur die Geschichte des deportierten und ermordeten sowjetischen Meteorologen Alexej Wangenheim, sondern stellt auch fest, dass Rolin, der in den sechziger Jahren einer militant-maoistischen Untergrundzelle angehörte, seine eigene ideologische Verblendung aufarbeitet. In jedem Fall zeigt sich der Kritiker tief beeindruckt von der Kunst des Autors, das Schicksal des unter der Sowjet-Führung unschuldig verurteilten, auf die Solowezki-Insel deportierten und schließlich hingerichteten Wangenheim einfühlsam zu erzählen und ihn zugleich als Repräsentanten der Weltgeschichte erscheinen zu lassen. Darüber hinaus lobt Wüllenkemper neben der gründlichen Schilderung der nervlichen Zerrüttung des Protagonisten auch Rolins akribische Recherche anhand von persönlichen Briefen Wangenheims und Befunden von Lokalhistorikern der Solowezki-Inseln.
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