Ottmar Ette

Der Fall Jauss

Wege des verstehens in eine Zukunft der Philologie
Cover: Der Fall Jauss
Kadmos Kulturverlag, Berlin 2016
ISBN 9783865993274
Gebunden, 160 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

Hans Robert Jauss (1921-1997), seit 1966 Professor der Universität Konstanz, gilt als einer der bedeutendsten Literaturwissenschaftler Deutschlands der Nachkriegszeit. Er begründete die Rezeptionsästhetik, die später als "Konstanzer Schule" bezeichnet wurde. Seit der Literaturwissenschaftler Earl Jeffrey Richards 1995 zum ersten Mal auf die SS-Mitgliedschaft von Hans Robert Jauss hinwies, entbrannte eine Debatte, die nicht abebben sollte. Der französische Philologe Maurice Olender machte in Jauss' Äußerung ein signifikantes "Schweigen einer Generation" aus.
Vor diesem Hintergrund dient die Publikation von Ottmar Ette der Diskussion von Fragen wie: Wie ist Jauss' Verhalten zu verstehen? Sind Leben und Werk getrennt zu betrachten? Oder gibt es doch einen Zusammenhang zwischen Jauss' Leben und seiner Rezeptionstheorie? Warum wird das Leben von Hans Robert Jauss in Deutschland erst so spät zum Thema, während es in Frankreich und den USA längst diskutiert worden war?

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.10.2016

Werner von Koppenfels bescheinigt Ottmar Ette keine Behutsamkeit im Umgang mit Hans Robert Jauß. Fachspezifisch orientiert nimmt die Studie des Postdamer Romanisten die Moral des Ästhetischen ernst, meint Koppenfels, und spürt einer Hermeneutik des Verschweigens nach, in Jauß' Spätwerk sowie in der Philologie insgesamt. Dass der Autor die Philologie als diskreditiert empfindet und die Rezeptionsästhetik als Kriegsmaschine bezeichnet, nimmt Koppenfels zur Kenntnis, erkennt aber auch, wie Ette die Causa Jauß als Lehre verstanden haben möchte. Inwieweit Ette mit seiner Spurensuche ins Schwarze trifft, darüber möchte Koppenfels nicht urteilen.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 23.06.2016

Rezensent Ahlrich Meyer liest Ottmar Ettes Publikation zum Fall Hans Robert Jauss mit Spannung. Die Debatte über die SS-Vergangenheit des Konstanzer Romanisten kennt Meyer und findet sie auch bei Ette wieder. Der Fokus liegt laut Meyer hier allerdings auf dem Wissenschaftsstil von Jauss, seiner spezifischen Schreibweise und der darin laut Ette erkennbaren Ideologie. Doch für Meyer spricht der Subtext bei Jauss nicht ganz so klar, wie Ette es gerne hätte. Eine autobiografische Lesart der wissenschaftlichen Texte hält Meyer zwar für möglich, doch nicht für allzu schlagend. Jauss' in der akademischen Auseinandersetzung oft aggressiver Ton ist in der Wissenschaft durchaus keine Ausnahme, meint der Rezensent, und hat mit der SS-Biografie des Verfasser wenig zu tun. Eine Neigung zur Literarisierung des eigenen Werdegangs kann er mit Ette bei Jauss allerdings erkennen.

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