"Die Wissenschaft der Logik", laut Brecht "eines der größten humoristischen Werke der Weltliteratur", ist das dunkle Herz des Hegel'schen Systems. Während Hegel seit einiger Zeit mit seiner Rechtsphilosophie oder auch der "Phänomenologie" in die intellektuelle Debatte der Gegenwart zurückgekehrt ist, bleibt seine "Logik" ein ungelesenes Hauptwerk der Philosophiegeschichte. So wartet dieses schwer zu durchdringende, kolossale Werk in unseren Tagen immer noch auf eine öffnende Neulektüre jenseits der Fachwelt. Patrick Eiden-Offe hat sich dem Exerzitium unterworfen, die "Logik" jeden Morgen eine Stunde zu studieren, konsequent von Anfang bis Ende. Er hat mit und in dem Buch überraschende und berührende Erfahrungen gemacht, die bei der bloßen Aneignung durch die Sekundärliteratur entgehen. Dabei hat er einen Hegel entdeckt, dessen radikales Denken zu einer ganz eigenen, hermetischen Sprache drängt, die allenfalls noch mit der Hölderlins vergleich bar ist; einen Hegel, der der Sache selbst "auf den Grund gehen" will und dann bloß noch protokollieren kann, wie sie "zugrunde geht". Und einen Hegel, dessen Philosophie Züge eines abgründigen Humors trägt. Das Lesen der "Logik" wird zu einem Selbstversuch, ebenso wie das Schreiben darüber. Am Ende erscheint "Die Wissenschaft der Logik" selbst als ein Essay, dem als Trostbuch der modernen Seele für unsere Tage unbedingte Aktualität zukommt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.03.2021
Rezensent Christoph Menke bewundert Patrick Eiden-Offe für seinen Selbstversuch mit Hegels Logik. Für Menke riskiert der Autor damit nicht wenig, nämlich denkend beim Erkunden des Denkens abzustürzen, weil die Dialektik zwischen Erzählung und Kritik ein so "schmaler Grat ist". Für Menke aber bietet die Übung alleine schon den Gewinn einer meditativen Praxis sowie die Chance, der Denkfaulheit zu entkommen. Zudem erweist sich Hegels Logik mit Eiden-Offe als großer Spaß, staunt Menke.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 04.02.2021
Rezensent Thomas Steinfeld zieht Nutzen aus der Lektüre von Patrick Eiden-Offes "Selbstversuch" mit täglich einer Stunde Hegel. Dass der Autor sich "oldschool", also exzerpierend, ohne viel Sekundärquellen auf Hegels "Logik" einlässt, scheint Steinfeld reizvoll insofern, als solche Unbefangenheit Eiden-Offes Lesern Zugänglichkeit beschert und ein besseres Verständnis des engen Verhältnisses von Sprache und Denken bei Hegel. Dass der Autor versucht, der "Logik" Aktualität abzugewinnen, indem er ihr Offenheit attestiert, wäre allerdings nicht nötig gewesen, findet der Rezensent.
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