Mit Abbildungen. Als Theodor Heuss am 12. September 1949 zum ersten Bundespräsidenten gewählt wurde, war das Amt nicht viel mehr als ein "Paragraphengespinst". Er füllte es mit seiner Person und seinen politischen Erfahrungen und setzte Maßstäbe, die bis heute gelten. Heuss wurde zu einem "Erzieher zur Demokratie" und verschaffte der jungen Bundesrepublik Ansehen im Ausland. Als "Papa Heuss" wurde er populär und genoss die Sympathie der Bevölkerung. Peter Merseburger zeichnet das Leben dieses Politikers nach, der seine Wurzeln im Kaiserreich hatte und die Brücke zur Bundesrepublik schlug. Heuss war Journalist, Schriftsteller, Intellektueller, ein klassischer Bildungsbürger. Seine Lebensgeschichte ist zugleich eine Politik-, Kultur- und Zeitgeschichte Deutschlands im 20. Jahrhundert.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 04.12.2012
Nur Gutes lässt der hier rezensierende Erhard Eppler über Peter Merseburgers Biografie des Bundespräsidenten Theodor Heuss verlauten, die er sorgfältig recherchiert und behutsam in der Wertung findet. Dabei kann man Epplers Ausführung über Heuss' Leben und Wirken als Politiker und Journalist nicht immer entnehmen, ob sie sich aus Merseburgs Biografie speisen oder aus seinen eigenen Erinnerungen. Jedenfalls lässt der heutige SPD-Linke Eppler auf Heuss kaum etwas kommen, egal ob dieser Hitlers Außenpolitik billigte, gute Kontakte zu Nazis hielt oder für Goebbels' Wochenzeitung "Das Reich" schrieb. Innere Emigration nennt Eppler diese Anpassung voller Verständnis. Nur die Zustimmung zum Ermächtigungsgesetz nimmt er ihm übel. Aber offenbar wie auch Biograf Merseburger findet er dies wettgemacht durch Heuss' "geistreiches und volksnahes" Wirken als Bundespräsident, dem die deutsche Politik angeblich auch ihren Humor verdanke.
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