Peter Schneider

Follow the science?

Plädoyer gegen die wissenschaftsphilosophische Verdummung und für die wissenschaftliche Artenvielfalt
Cover: Follow the science?
Edition Tiamat, Berlin 2020
ISBN 9783893202676
Kartoniert, 112 Seiten, 16,00 EUR

Klappentext

Was tun gegen Verschwörungstheorien, Fake News, Wissenschafts-Skepsis, Pseudowissenschaften und Obskurantismus? Follow the science! Aber welcher Wissenschaft? Nur schon diese Frage zu stellen, scheint riskant: Denn führt sie nicht auf direktem Wege in die Fänge der merchants of doubt, der Klima-Leugner, Corona-Skeptiker und sonstigen Verschwörungstheoretiker, welche die Autorität der Wissenschaft leichtsinnig in Frage stellen und nicht müde werden zu betonen, dass es in der Wissenschaft zu jeder Meinung eine Gegenmeinung gibt und Wissenschaft eben auch nur ein Glaube unter anderen ist - und nicht unbedingt der beste?

Rezensionsnotiz zu Die Welt, 06.03.2021

Mit Interesse hat Deniz Yücel nachgelesen, wie Peter Schneider hier rekonstruiert, dass es einst "linke Wissenschaftler marxistischer, poststrukturalistischer oder feministischer Provenienz" waren, die mehr Verständnis dafür forderten, dass wissenschaftliche Erkenntnisse weder unfehlbar seien noch direkte Handlungsanweisungen beinhalten. Die bei Linken gerade so beliebte Parole, der Wissenschaft zu folgen, negiere hingegen den wissenschaftlichen Streit und verschweige, dass selbst Naturwissenschaften zu einem Großteil aus der nie sofort unfehlbaren Interpretation von Daten bestehen, fasst Yücel zusammen. Er folgt Schneiders Skepsis in Bezug auf eine dogmatisch motivierte Festlegung der Wissenschaft auf bestimmte Erkenntnisse, glaubt aber auch, dass die alarmistische Forderung Greta Thunbergs, die der Titel zitiert, wegen ihres aufrüttelnden Charakters durchaus ihre Berechtigung hatte. In jedem Fall sei "Unfollow the Sciences" auch keine Lösung, schließt der Journalist.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 08.02.2021

Das ist ja mal was, findet Rezensent Urs Hafner. Dass Peter Schneider die Wissenschaft nicht vor den Verschwörungstheoretikern, sondern vor ihren eigenen Verfechtern in Schutz nimmt, muss er erst einmal sacken lassen. Dann aber erkennt er, dass der Autor natürlich zuspitzt, wo er kann, wenn er den Faktizismus und Szientismus als wissenschaftsfremd beschreibt, den Leser rasant durch die Epistemologiegeschichte führt und erklärt, Verschwörungstheorie wolle auch bloß Wissenschaft sein. Beispiele bleibt der Autor nicht schuldig und zitiert den ein oder anderen wissenschaftlichen Bullshit, so Hafner.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 26.10.2020

Rezensent Bodo Morshäuser gefällt der selbstkritische Ton, den der Psychoanalytiker Peter Schneider in seinem Buch anstimmt. Dass Wissenschaft und Verschwörungstheorien nicht so eindeutig voneinander abzugrenzen sind, wie gern angenommen, ist eine der Erkenntnisse, die Morshäuser aus der Lektüre mitnimmt. Wenn der Autor die Ursprünge der Wissenschaftsfeindlichkeit in den achtziger Jahren erkundet und sein Buch mit der Forderung nach stabiler Wissenschaftsfinanzierung durch die Politik münden lässt, scheint der Rezensent zuzustimmen.

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