Klappentext

Aus dem Amerikanischen von  Ilse Strasman. Stella Goldschlag war blond, schön und schlagfertig. Sie war intelligent und vielseitig begabt und zu einer anderen Zeit, in einem anderen Land hätte sie wohl eine glänzende Karriere gemacht. Doch Stella war Jüdin und lebte in Deutschland. Ihre Eltern hatten es nicht geschafft, rechtzeitig auszureisen. Die Katastrophe trat ein, als Stella verhaftet und von der Gestapo gefoltert wurde. Um ihre Eltern vor der Deportation zu bewahren, erklärte sie sich bereit, versteckt lebende Juden an die Gestapo zu verraten. Ihre Eltern konnte sie nicht retten, und doch machte sie bis Kriegsende weiter, immer mörderisch effizient. Peter Wyden, geboren 1923 als Peter Weidenreich in Berlin, ist mit Stella Goldschlag zur Schule gegangen, und war, wie fast alle Jungen dort, in sie verliebt. Dass sie das "blonde Gift" wurde, die Greiferin, die hunderte Juden in den Tod geschickt hatte, erfuhr er, als er 1946 als junger US-Soldat nach Berlin zurückkehrte. Ihr Schicksal ließ ihn nicht los. Jahrelang recherchierte er für seine Biografie, sichtete Archivmaterial und sprach mit mehr als 150 Personen: Überlebenden, Augenzeugen, Historikern und Psychologen. Und er sprach mit Stella, die bis 1994 in Westdeutschland im Verborgenen lebte.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 13.03.2019

Rezensent Christoph Schröder liest Peter Wydens neu aufgelegtes autobiografisches Sachbuch, das als Vorlage zu Takis Würgers Roman diente, mit großer Faszination. Wie Wyden die Geschichte seines Jugendschwarms Stella Goldschlag erzählt, erscheint ihm ungleich empathischer und differenzierter im Umgang mit Einzelschicksalen und moralischen Zwangslagen als Würgers "unterkomplexer" und "unanschaulicher" Text. Dass der Autor die Frage, ob Goldschlag Täterin, Opfer oder beides war, nicht beantwortet, sondern ihren Lebensweg detailreich und anschaulich entlang der Prozessakten nachzeichnet, ohne Goldschlags Aura zu verfallen, findet Schröder bemerkens- und lesenswert.