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Pierre Lemaitre

Die Farben des Feuers

Roman
Cover: Die Farben des Feuers
Klett-Cotta Verlag, Stuttgart 2019
ISBN 9783608963380
Gebunden, 479 Seiten, 25,00 EUR

Klappentext

Aus dem Französischen von Tobias Scheffel.  Als der berühmte französische Bankier Marcel Péricourt im Jahr 1927 verstirbt, steht seine Tochter Madeleine, deren Exmann nach einem landesweiten Skandal im Gefängnis sitzt, plötzlich völlig allein an der Spitze eines Bankimperiums - in einer Epoche, in der es Frauen nicht einmal gestattet war, selbst einen Scheck zu unterschreiben. Während Gustave Joubert, der Prokurist der Bank, Charles Pericourt, Madeleines verschwenderischer Onkel, und André Delcourt, ihr Liebhaber mit dichterischen Ambitionen, um die junge Erbin und ihren Sohn schwirren wie Motten um das Licht, zeichnen sich am Horizont bereits die Vorboten des Zweiten Weltkriegs ab. Im Schatten von Börsenskandalen und politischen Wirrnissen arbeiten die Neider auf das Verderben der Familie hin. Doch für Madeleine ist das letzte Wort in dieser Angelegenheit noch nicht gesprochen. Um ihres Sohnes willen beginnt sie ihren ganz persönlichen Rachefeldzug zu planen.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 20.06.2019

Rezensent Dirk Fuhrig bekommt ein fesselndes Zeitpanorama aus dem Paris der 20er und 30er Jahre mit Pierre Lemaitres zweitem Band seiner Zwischenkriegstrilogie. Den finanziellen und moralischen Bankrott einer Bankiersfamilie beschreibt ihm der Autor inspiriert durch reale Ereignisse und Figuren. Stilistisch orientiert er sich dabei für Fuhrigs Geschmack mitunter zwar allzu sehr an Dumas und Balzac, doch kann er laut Rezensent genug Spannung erzeugen und die Krimihandlung "flott" und "eingängig" vorantreiben.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 04.05.2019

Laut Rezensentin Dina Netz bestätigt Pierre Lemaitre auch mit diesem Roman wieder, dass er "ein brillanter Krimi-Autor" ist: Die Intrige, die er um das Erbe des Oberhaupts einer alten Bankiers-Familie entspinnt, hält die Kritikerin nicht nur für äußerst spannend und kunstvoll konstruiert, sondern auch für den Anlass zu einem aussagekräftigen Epochenporträt der 1930er Jahre. Dabei komme vor allem die Oberschicht nicht gut weg, meint Netz, die einige der erschreckenden Schilderungen "fast eins zu eins" an die gegenwärtige Situation Frankreichs erinnert haben.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 24.04.2019

Rainer Moritz hat Einwände gegen Pierre Lemaitres opulenten Fortsetzungsroman über den Niedergang eines privaten Bankhauses. Das an Katastrophen reiche frühe 20. Jahrhundert, in dem Lemaitre seine figuren- wie handlungsreiche Geschichte ansiedelt, verträgt sich schlecht mit der traditionellen, an Proust und Romains angelehnten Erzählweise, findet er. Der gefällige Ton, mit dem der Autor über Judenhass und Reichstagsbrand schreibt, stößt Moritz bitter auf und raubt ihm die Freude an diesem Sozialepos.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 18.04.2019

Für den Rezensenten Joseph Hanimann ist der französische Autor Pierre Lemaitre ein "Feinmechaniker der Rache". Wie ihm Lemaitre von den Intrigen im untergehenden Bankiers-Haus Pericourt und der Rache der in die Armut abgestürzten Erbin Madeleine erzählt, zwischen den Nebenhandlungen und Perspektiven switchend, dabei die Zwischenkriegszeit mit Börsenkrach, sozialen Spannungen, Machtantritt faschistischer Regime und demokratiemüden Nationen im Hintergrund "knistern" lässt, findet Hanimann beeindruckend. Ein Hauch von Guy de Maupassant weht durch den Roman, meint der Kritiker, der vor allem hervorhebt, dass der Autor seine an "widerwärtigen" und "grotesken" Figuren reiche Story nicht mit "Moral verklebt".
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.03.2019

Für Rezensentin Lena Bopp gehört der neue Roman von Pierre Lemaitre zum Besten, was die Unterhaltungsliteratur zu bieten hat. Wie der Autor hier im Anschluss an seinen Roman "Wir sehen uns dort oben" die Geschichte des Hauses Péricourt forterzählt, mit viel Sinn für die Verbindungen zwischen kleiner und großer Geschichte und die Verwerfungen des 20. Jahrhunderts, findet Bopp höchst lesenswert. Die Geschichte vom Absturz einer Familie aus der Haute Bourgeoisie ins Kleinbürgertum während der Zwischenkriegszeit scheint Bopp noch gelungener, gelöster, ironischer und frivoler als der Vorgängertext von 2013, wobei die Rezensentin erkennt, dass der Autor durchaus nach bewährter Methode vorgeht, indem er verbürgte Geschichten mit einem Arsenal an sündigen, psychologisch genau gezeichneten Figuren besetzt, die dem Gang der Erzählung etwas Unausweichliches verleihen und sie auf ein Finale von geradezu kriminalistischer Gestalt zuführen, wie Bopp erklärt.
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